Peter Eötvös: «Der goldene Drache»
Er schmerzt, der kariöse Zahn des chinesischen Jungen, der in der Küche des «Goldenen Drachen» aushilft – und der nicht mehr weiß, was er tun soll, um sein Leid zu lindern. Der junge Mann ist auf der Suche nach seiner im Westen verschwundenen Schwester in diesem «Thai-China-Vietnam-Schnell-Restaurant» gestrandet, und weil er sich illegal im Land aufhält, ist eine fachärztliche Behandlung ausgeschlossen. Also brechen ihm seine Arbeitskollegen das gammelige Teil mit einer Rohrzange aus dem Mund.
In Roland Schimmelpfennigs 2009 am Wiener Akademietheater uraufgeführtem Theaterstück wird der faule Zahn zum Sinnbild der Immigrationspolitik westlicher Industriestaaten – und landet am Ende symbolträchtig in der Thai-Suppe einer Stewardess. Dem ungarischen Komponisten Peter Eötvös gelang mit seiner Vertonung dieser ebenso bizarren wie realitätsgebundenen Story das seltene Kunststück einer schlüssigen Opera buffa, hinter deren heiterer Maske sich doch die ganze Tragik unserer Welt verbirgt.
Für Schimmelpfennig bildet die Geschichte des chinesischen Jungen eine von zahlreichen Nebenschauplätzen umrankte Rahmenhandlung. Für das Libretto der Oper musste das ursprüngliche Theaterstück ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Uraufführungen des Jahres, Seite 47
von Reinhard Kager
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