Per aspera ad astra
Blutrünstig ist sie, diese Familiengeschichte. Getränkt von Unausweichlichkeit, gelenkt von blindem Schicksal. Die Rede ist von «Thebans», einem Auftragswerk der English National Opera in Kooperation mit dem Theater Bonn. Der Londoner Komponist Julian Anderson und sein Librettist Frank McGuiness haben Sophokles’ drei Theben-Tragödien «König Ödipus», «Antigone» und «Ödipus auf Kolonos» auf drei Akte kondensiert.
Er sperre sich gegen Schubladen, erklärt Anderson im Gespräch über seinen Opernerstling.
Heute seien ohnehin alle Mittel schon besetzt, es komme darauf an, sie auf eigene Art zu verwenden. Eine kraftvolle, dramatische und vor allem ungeheuer heterogene Partitur ist es geworden, die aus einem großen Fundus schöpft.
Der erste Akt ist der Vergangenheit gewidmet. Fünfzig Minuten dauert er, so lang wie die beiden anderen zusammen. Tom Pye hat für Regisseur Pierre Audi einen Raum aus rauen Steinen geschaffen, in dem weiß gekleidete Thebaner apathisch auf Stufen kauern. Um eine Seuche abzuwenden, müssen sie den Mörder von König Laios finden. Der Prophet Teiresias klagt Ödipus an; wie dieser unwissend seinen Vater erschlagen und seine Mutter heiraten konnte, erfahren wir aus ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Wiebke Roloff
Tamerlano» (1724) wird von Händel-Kennern wegen seiner harmonischen Kühnheit und der atemberaubenden Selbstmordszene des türkischen Sultans Bajazet, eine der raren großen Tenor-Partien der Opera seria, geschätzt, vom Publikum aber eher als spröde gefürchtet. Mit diesem Eindruck macht Riccardo Minasi jetzt Schluss. Seine Tempi zielen nicht auf vordergründigen Drive,...
Es ging ziemlich rund mit Webers «Freischütz» beim Grazer «Ring-Award», und manchen am Gewohnten hängenden Opernbesucher fuhr die Wilde Jagd ganz schön um die Ohren. Gefordert war im Finale die schlüssige szenische Gestaltung des zweiten Akts. Wobei die beiden mit internationalen Theaterexperten gespickten Jurys sich einhellig für die Version von Verena Stoiber...
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer...
