Passion ohne Hoffnung
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die bitterböse Komödie vom Aufstieg und Fall eines Bürgermädels, böser und bitterer als alles, was der Komödienvirtuose Friedrich Dürrenmatt später geschrieben hat.
Eine bitterböse und trotzdem komödienbeschwingte Musik aber ist in der Oper schwer herzustellen. Ein Satz in einer Symphonie von Schostakowitsch, eine Nummer in Mozarts «Cosí fan tutte», das geht. Aber einen ganzen Abend lang?
Der Komponist Bernd Alois Zimmermann, der fast zwanzig Jahre nach Gurlitt geboren wurde, sich aber 1970 das Leben nahm, hat die «Soldaten» nicht vertont. Er überfrachtete sie, riss sie als Parabel an sich, lud Marie und ihrem Weg in die Gosse das ganze Leid der Welt und die ganze Last seines «totalen Theaters» auf. Dabei setzte er auf alte wie neue Formen, auf Chaconne und monströse Toncluster, Bach und Jazz, Koloratur und das, was er ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
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Blutrünstig ist sie, diese Familiengeschichte. Getränkt von Unausweichlichkeit, gelenkt von blindem Schicksal. Die Rede ist von «Thebans», einem Auftragswerk der English National Opera in Kooperation mit dem Theater Bonn. Der Londoner Komponist Julian Anderson und sein Librettist Frank McGuiness haben Sophokles’ drei Theben-Tragödien «König Ödipus», «Antigone» und...
Die Grenzen dessen, was Singen sein kann, zieht der landläufige Opernbetrieb eher eng. Wer abseits der europäischen Hochkultur erfahren will, was außerhalb Europas oder außerhalb der Kunst als schöner oder ausdrucksvoller Gesang gilt, konnte in den vergangenen Jahren bei den Internationalen Festspielen in Bergen mitreißende Erfahrungen machen. An der norwegischen...
