Paris, mon amour

Gounod: Faust Stuttgart / Oper

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Die Schlange, Urgrund allen Übels. Langsam windet sie sich über die Wählscheibe der Pariser Telefonzelle, ihr klein-gefährlicher Kopf, auf zwei schwingende Tücher über der Szene projiziert, ist in Großaufnahme zu sehen. Später wird die Versucherin über die auf dem Bett sinnende Margarethe gleiten, der Nachbarin Marthe hängt sie beim Flirt mit Mephisto um den Hals. Ach, Brecht, du Allbezwinger.

Frank Castorf inszeniert Gounods «Faust» in Stuttgart so, wie er in Bayreuth den «Ring» inszeniert hat: mit zwei Kameramännern auf der Bühne, beständig mittendrin im Geschehen und ganz oft nah dran an den Sängermienen, etwa wenn Gretchen sich in ihrer Bude über der vernagelten Boucherie 27, im Lichte einer wie durch den Quirl gezogenen Coca-Cola-Reklame, ein Haschischpfeifchen anzündet, während sie an den feschen Faust denkt. Zu den Live-Übertragungen montiert Castorf vorproduzierte Bilder (die Schlangen-Metapher), gern auch historische Wochenschau- und Werbefilmschnipsel. Spektakulär und die eigentliche Hauptfigur, wenngleich nicht so gewaltig wie in Bayreuth, aber um einiges raffinierter, ist Aleksandar Denićs (Dreh-)Bühnenbild. Ein synkretistisches Super-Haus, als habe jemand Pariser ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Götz Thieme

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