Ortsfremd

Henze: Phaedra Halle / Oper

Opernwelt - Logo

Wenn nur das Glied nicht wäre, das da mit bacchantischer Heiterkeit über einer Feuertonne gegrillt wird. Überhaupt Hippolyts Kastration, die Artemis im Zuge der «Gliederrenke» an ihm vornimmt, die umgeschnallten Silikonbrüste. Das gehört zu diesen Dingen, die «keiner sehen will». Eine Henze-Oper, das ist eigentlich schon schwer genug. In der dritten Vorstellung von «Phaedra» ist der Saal nur halb voll.  

Manchmal gibt es gute Gründe, Dinge zu zeigen, die keiner sehen will.

Dass die Göttin Artemis – als Countertenor geschlechtlich zweideutig – Hippolyt nach seinem Tod wie Frankenstein neu zusammensetzt, ist Teil des Stücks; dass sie den Königssohn dabei wie Gott nach ihrem Ebenbilde formt, ebenfalls plausibel. Und der zweite Akt enthält musikalisch gerade genug skurrile Heiterkeit für diese grelle Travestie.

Schade nur, wenn Oberflächenreize den Zugang zu einem Werk und einer intelligenten Produktion verstellen – durch falsches Maß oder eine fehlplatzierte Ästhetik. Ein Grund für die Ablehnung des Castorf-«Rings» war die Verpflanzung der Berliner Volksbühnen-Optik nach Bayreuth. Der Blick, den Florian Lutz auf Henzes spätes Stück wirft, scheint eher auf Szeneviertel einer Großstadt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Bars, Bordelle, Boxkampfhallen

Es gibt am Premierenabend keinen Aufstand im Royal Opera House. Selbst als während der vorletzten Vorstellung der «Mahagonny»-Inszenierung von John Fulljames ein Kabelbrand an Covent Garden die Lichter löscht und im Opernhaus das Catering lahmlegt, beschwert sich niemand: Die schöne Ironie, die darin liegt, dass es zu einer Show über Whiskey bloß Leitungswasser...

Turbulenzen mit Ansage

So schnell lässt sich ein Alphatier wie er nicht aus der Ruhe bringen. Und schon gar nicht aus dem Haus vertreiben, in dem er 1995 als Casting Director anfing und das er seit 2005 als Artistic Director leitet. Kritik an seinen (mitunter einsamen) Entscheidungen oder an seinem Führungsstil scheint John Berry eher zu beflügeln als zu hemmen. Als vor zwei Jahren –...

Editorial

Chaos tobt um das Theater der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Als sei das Volkstheater Rostock durch die Entscheidung, das Ballett und die Opernsparte auszu-
lagern, nicht schon genug gebeutelt, setzte der parteilose Oberbürgermeister Roland Methling auch noch den Intendanten vor die Tür, der gerade damit begonnen hatte, das Haus wieder in Schwung zu bringen....