Orpheus Britannicus

Ein Albumblatt für Alfred Deller, der vor dreißig Jahren starb.

Opernwelt - Logo

Er gehört zur Pioniergeneration der Wiederentdeckung der alten, vorbarocken Musik: Alfred Deller war der Erste, der die in England nie ganz ausgestorbene Stimme des männlichen Altus zu neuem Leben erweckte, und er ist bis heute einer der faszinierendsten Vertreter dieses Fachs geblieben. Als Michael Tippett ihn 1944 im Übungsraum der Chorschule in Canterbury hörte (Deller sang Purcells Lied «Music for a while», das später zu einem Erkennungszeichen seiner Kunst werden sollte), war er überwältigt von dieser außergewöhnlichen Stimmlage und begeistert von der Musikalität.

«Für mich», so erinnerte sich der Komponist, «drehten sich in diesem Augenblick die Zeitalter zurück.» Ähnlich empfand es später Nikolaus Harnoncourt: «Es war wie ein Blitzschlag.»
Mir ging es ähnlich, als ich in den frühen 1970er Jahren erstmals die Stimme Dellers im Radio hörte und dann seinem Consort auch im Konzert begegnete: «Für mein Ohr», so Tippett, «besitzt die Countertenor-Stimme einen ganz eigenen Klang, weil so gut wie keine emotionale Beimischung uns von der vollkommen reinen musikalischen Qualität der Tonproduktion ablenkt. Was wir hören, gleicht keinem anderen musikalischen Klang, und wenige andere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
L'art pour l'art

Der Teufel trägt Prada? Mitnichten. Zumindest nicht im Baden-Badener Festspielhaus. In Webers «Freischütz» bestimmen die Amsterdamer Couturiers Viktor & Rolf, wo’s lang geht – mehr noch als der Regisseur und Bühnenbildner Robert Wilson, und das will ja etwas heißen. Man könnte diese Zeilen spielend mit der Beschreibung dessen füllen, was ihrer auch sonst schon...

Kreuzstich und Ironie

Der Herbst neigt zum Winter, alles wird fein, klein, kühl. Gehirn und Anschauung, Behaglichkeit der Erinnerung. So beschrieb Oskar Bie die Stimmungslage von Verdis «Falstaff». Nostalgische Behaglichkeit dieser Art suggeriert auch der Bühnenvorhang, der den Zuschauer beim Betreten des Auditoriums im Festspielhaus zu Glyndebourne empfängt: das Städtchen...

Mit dem Leben spielen

Man hat den Roman «Franziska Linkerhand» der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973), eine große autobiografische Erzählung der DDR, mit der «Blechtrommel» von Günter Grass verglichen. Hier der vitale, drastisch eigenwillige Zeitspiegel von Krieg und junger Bundesrepublik aus dem Blickwinkel Danzigs, dort die exemplarische Geschichte einer jungen Architektin...