Orpheus Britannicus
Er gehört zur Pioniergeneration der Wiederentdeckung der alten, vorbarocken Musik: Alfred Deller war der Erste, der die in England nie ganz ausgestorbene Stimme des männlichen Altus zu neuem Leben erweckte, und er ist bis heute einer der faszinierendsten Vertreter dieses Fachs geblieben. Als Michael Tippett ihn 1944 im Übungsraum der Chorschule in Canterbury hörte (Deller sang Purcells Lied «Music for a while», das später zu einem Erkennungszeichen seiner Kunst werden sollte), war er überwältigt von dieser außergewöhnlichen Stimmlage und begeistert von der Musikalität.
«Für mich», so erinnerte sich der Komponist, «drehten sich in diesem Augenblick die Zeitalter zurück.» Ähnlich empfand es später Nikolaus Harnoncourt: «Es war wie ein Blitzschlag.»
Mir ging es ähnlich, als ich in den frühen 1970er Jahren erstmals die Stimme Dellers im Radio hörte und dann seinem Consort auch im Konzert begegnete: «Für mein Ohr», so Tippett, «besitzt die Countertenor-Stimme einen ganz eigenen Klang, weil so gut wie keine emotionale Beimischung uns von der vollkommen reinen musikalischen Qualität der Tonproduktion ablenkt. Was wir hören, gleicht keinem anderen musikalischen Klang, und wenige andere ...
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