L'art pour l'art
Der Teufel trägt Prada? Mitnichten. Zumindest nicht im Baden-Badener Festspielhaus. In Webers «Freischütz» bestimmen die Amsterdamer Couturiers Viktor & Rolf, wo’s lang geht – mehr noch als der Regisseur und Bühnenbildner Robert Wilson, und das will ja etwas heißen.
Man könnte diese Zeilen spielend mit der Beschreibung dessen füllen, was ihrer auch sonst schon überaus barocken, überaus theatralischen Fantasie entspross und durch den glitzernden Perlenschmuck aus Swarovskis Tiroler «Kristallwelten» einen zusätzlichen, so extravagant luxuriösen wie fast schon grotesken Kick bekam.
Da sieht der Leibhaftige, sieht der Sonnenbrillenpunk Samiel aus wie ein leuchtend roter Zackenblitz. Da mutet die Braut Agathe wie ein üppig ausladendes lebendes Blumenstück an, ihr unglückseliger Max mit seiner Blätterwerkweste wie ein Baum. Kurz: überbordende, bizarre Einfallsfülle, wohin das unentwegt beschäftigte Auge schweift – Schnörkel, Rüschen und Faltenwurf im Quadrat, bis hin zum Finale ganz in himmlischem Unschuldsweiß, hin zur Utopie vom Sieg des Guten über das Böse, das kurzerhand vom Bühnenboden verschluckt wird. Zu schön, um wahr sein zu können. Ein Kostümfest zum Thema «Freischütz», das ein ...
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Wer seinen Goethe gelesen hat, wird in Guy Montavons Erfurter Inszenierung von Arrigo Boitos «Mefistofele» nicht schlecht staunen. Denn er bekommt hier einen Krimi zu sehen: Mephisto soll als Agent eines großen Geheimbundes, an dessen Spitze ein «Big Boss» namens Gott steht, dem Wissenschaftler Faust die Formel zur Erschaffung eines künstlichen Menschen abjagen....
Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles...
So einfach sorgt man für amüsierte Schlagzeilen: Nach langen fünf Stunden ging Bergens Festspiel-Chef Per Boye Hansen dazwischen und beendete kurzerhand eine Aufführung von Ibsens «Wildente». Eine gute Tat. Denn die Produktion war unkontrolliert zum 15-Stunden-Monster gewachsen.
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