Ohne lebendigen Kopf keine lebendige Empfindung
Ein Zufall sicherlich, ein schöner. Fast gleichzeitig sind zwei neue Bücher zum Thema Kunstlied erschienen, deren Autoren zehn Jahre lang ein berühmtes Duo bildeten. Als Dietrich Fischer-Dieskau Anfang der Achtziger in Berlin seine erste Meisterklasse hielt, wurde er auf den jungen Pianisten Hartmut Höll aufmerksam und lud ihn sofort zu gemeinsamen Liederabenden ein. Von 1982 bis zum Abschied des Sängers 1992 dauerte diese Zusammenarbeit, die beide nicht nur um die Welt führte, sondern auch zu vielen gemeinsamen Aufnahmen ins Studio.
Fischer-Dieskau, der im Mai 2012 starb, hat sein letztes Buch noch vollenden können. Es ist ein schmales Bändchen, nicht einmal hundert Seiten. Dem Titel «Das deutsche Kunstlied» wird es nicht durch Vollständigkeit oder neue Forschungsergebnisse gerecht, sondern weil jedes Komponisten-, jedes Werkporträt mit Erfahrung gesättigt ist. Mut zur Lücke, mitunter auch ein persönlicher Tonfall unterscheiden das Buch von «Töne sprechen, Worte klingen», jener monumentalen Studie zu «Geschichte und Interpretation des Gesangs», die Fischer-Dieskau 1985, zu seinem sechzigsten Geburtstag, vorlegte.
Wieder geht er chronologisch vor, beginnt bei Reichardt und Zelter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Medien, Seite 36
von Stephan Mösch
Impressum
53. Jahrgang Nr. 12
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752249
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 09.11.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Das nennt man eine konzertierte Aktion, gerade weil sie nicht nur konzertant ablief. Leonardo Vincis «Artaserse» von 1730 ist eine jener römischen Opern, in denen Frauen nicht auftreten durften. Vorgesehen waren vielmehr fünf Kastraten und ein Tenor. Der Counter Max Emanuel Cencic hat das Stück nicht nur wiederentdeckt, sondern ihm auch (gesteuert vom eigenen...
Die Welt als Wunsch und Vorstellung – Hans Christian Andersen glaubte nicht, dass sie die beste aller möglichen Welten sei. Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, an anderem Ort, in anderer Zeit, war ihm suspekt. Ein fabelhaftes Zeugnis dieser Skepsis ist das Märchen «Galoschen des Glücks». Eine Fee bringt die verzauberten Überzieher unter die Leute, wer sie trägt...
