Ohne Häkeldeckchen
Die deutsche Spieloper: ein Schmerzenskind. Sogar der ehemals so beliebte Lortzing ist mit Werken wie «Der Wildschütz» oder «Zar und Zimmermann» ein seltener Gast auf den Bühnen. Kreutzers «Nachtlager in Granada» und Nesslers «Trompeter von Säckingen» werden seit Generationen gemieden, selbst ein Meisterwerk wie Nicolais «Lustige Weiber» hat es schwer – sicher nicht nur wegen des Verdi’schen «Falstaff», der freilich in eine andere Liga gehört, wie auch Cornelius’ «Barbier von Bagdad» und Wolfs «Corregidor».
Die «echte» Spieloper bedient eine Mischung aus Leichtigkeit und Sentimentalität. Das missbehagt ambitionierten Theatermachern, die als milde Erziehungsdiktatoren auf ihr Publikum blicken oder, wenn sie schon Unterhaltung kredenzen, lieber aufs zeitgemäße Musical rekurrieren. Spieloper – das klingt nach Oma, nach Häkeldeckchen.
Hinzu kommen Aufführungsprobleme, wenn sich etwa internationale Sänger durch die deutschen Dialoge quälen. Zumindest diese Kalamität entfällt bei Friedrich von Flotows «Martha», einem durchkomponierten Stück, bei dem sich schier «natürlich» eine Nummer an die andere reiht und Arien die Handlung ebenso voranbringen wie Chöre, Duette, Quartette (alles auch ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen...
Ob das womöglich die beste britische Oper seit Jahren sei, fragte sich eine Rezensentin von «Opera today» 2014 anlässlich der Uraufführung von Luke Bedfords Kammeroper «Through His Teeth» im Linbury Studio an Londons Covent Garden. Wie überhaupt die Kritiker Begeisterung zeigten angesichts dieses kleinen Werks, das ursprünglich nur eine Art Beiprogramm zur...
Verdi, der «Shakespeare der Opernbühne», sei «der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist», hat Sergio Morabito 2013 in einer Umfrage geäußert. Er sei «der Meister der Verdichtung (im Sinne des Weglassen-Könnens) und der Zuspitzung (damit zusammenhängend: ein Genie der Rücksichtslosigkeit seinen Interpreten gegenüber)». Seine Musik bringe «alles –...
