Ohne Fez und Firlefanz
Eine halbe Stunde zuvor: Gesangsübung im oberen Foyer. Beim Einlass dann: ein Notenblatt für jedermann. Und tatsächlich, am Ende des ersten Akts von Händels «Ariodante»: chorische Vorfreude auf die Hochzeit des Titelhelden mit der schottischen Prinzessin Ginevra – und das Publikum ist dabei, wenn auch etwas verzagt. Kein aufdringlicher Gag – das hat der regieführende Operndebütant Stefan Pucher offenbar nicht nötig. Auch kein verspätetes Mitsingopernecho aufs Mitspieltheater seligen Angedenkens – ein Aperçu halt.
Die Schauspielkoryphäe Pucher auf neuem Terrain: der letzte Basler Coup des als Intendant an die Deutsche Oper Berlin wechselnden Operndirektors Dietmar Schwarz. Und ein Coup war’s wirklich, einer ohne jeden Hauch von aufgesetzt-aufgekratzter Mache. Pucher gelang ohne Fez und Firlefanz eine brillante, konzentrierte, klare und zuweilen sensationell gute Inszenierung. Dazu eine, die sich den Gestalten zuwendet, sie von unverbrüchlicher Liebe, jähem Zweifel und der zuletzt dann doch auffliegenden fiesen Intrige des eifersuchtsgeschüttelten Herzogs Polinesso, Händels Jago, erzählen und – in Ruhe singen lässt, ohne dass je der Verdacht auf Stehoper aufkäme. Es war, als rufe er ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Heinz W. Koch
«Gueuze & Kriek», liest man auf dem Programmheft der Flämischen Oper unter dem Operntitel «Le Duc d’Albe», die Worte tanzen auf einem Bierglas mit sprudelndem Inhalt. Jeder Tourist in Belgien kennt Gueuze und Kriek (Sauerkirsche) als zischend-erfrischende Varianten des Lambic-Bieres mit seinem säuerlichen Geschmack. Aber der Begriff «Gueuze» steht in den...
Eine ordentliche Landschaft aus Holzplanken, zeitlich im Großraum «historisch» situiert. Links steht eine Hütte, rechts deutet ein Boot ein Gewässer an. Eine Rampe zieht sich quer durch den Bühnenhintergrund, den Hang hinab fällt ein messianisches Licht – von hier muss Onegin kommen. Der erweist sich freilich nicht als Messias, nicht einmal als strahlender Galan,...
Streng geht es in Olga Neuwirths neuer Oper «The Outcast» zu, einem Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim. Ironische Postmoderne wie in Enno Poppes vier Wochen zuvor im nahe gelegenen Schwetzingen uraufgeführtem Intelligenzquotenspiel «IQ» ist ebenso wenig beabsichtigt wie geschmäcklerische Neoromantik à la Thomas Adès. Neuwirth geht aufs Ganze – übrigens auch...
