Ohne Fez und Firlefanz

Andrea Marcon und Stefan Pucher bündeln in Händels «Ariodante» am Theater Basel bravourös die Kräfte

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Eine halbe Stunde zuvor: Gesangsübung im oberen Foyer. Beim Einlass dann: ein Notenblatt für jedermann. Und tatsächlich, am Ende des ersten Akts von Händels «Ariodante»: chorische Vorfreude auf die Hochzeit des Titelhelden mit der schottischen Prinzessin Ginevra – und das Publikum ist dabei, wenn auch etwas verzagt. Kein aufdringlicher Gag – das hat der regieführende Operndebütant Stefan Pucher offenbar nicht nötig. Auch kein verspätetes Mitsingopernecho aufs Mitspieltheater seligen Angedenkens – ein Aperçu halt.



Die Schauspielkoryphäe Pucher auf neuem Terrain: der letzte Basler Coup des als Intendant an die Deutsche Oper Berlin wechselnden Operndirektors Dietmar Schwarz. Und ein Coup war’s wirklich, einer ohne jeden Hauch von aufgesetzt-aufgekratzter Mache. Pucher gelang ohne Fez und Firlefanz eine brillante, konzentrierte, klare und zuweilen sensationell gute Inszenierung. Dazu eine, die sich den Gestalten zuwendet, sie von unverbrüchlicher Liebe, jähem Zweifel und der zuletzt dann doch auffliegenden fiesen Intrige des eifersuchtsgeschüttelten Herzogs Polinesso, Händels Jago, erzählen und – in Ruhe singen lässt, ohne dass je der Verdacht auf Stehoper aufkäme. Es war, als rufe er ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Heinz W. Koch

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