Norbert Abels: Ohrentheater. Szenen einer Operngeschichte
Was ein Dramaturg ist und was er tut, kann an verschiedenen Theatern durchaus verschieden sein. Im schlimmsten Fall ist er ein gnadenlos überqualifizierter Sklave des Regisseurs: Zigarettenholer, Protokollant, Stichwortgeber. Am Ende soll er dann, möglichst billig (sprich: um Autorenrechte unbesorgt), Texte für das Programmheft zusammenstellen.
Im besten Fall ist er das mentale Zentrum eines Probenprozesses: besser informiert über das Stück als alle anderen, sensibel auf die Balance zwischen Musik und Szene achtend, sachgerecht jeden Probenknatsch schlichtend, Gravitationszentren des kreativen Werdens ortend und ausbauend. Am Ende darf er dann ein Programmbuch formen, das sofort zur Standardliteratur über ein Stück avanciert (und von weniger glücklichen Dramaturgen als Steinbruch benutzt wird). Es gibt Intendanten, die sich grundsätzlich schwache Dramaturgen ins Haus holen, weil sie selbst verkappte Dramaturgen sind. Und es gibt Generalmusikdirektoren, die nicht einmal den Namen des Dramaturgen wissen, weil sie glauben, es stehe sowieso alles in den Noten. Ein saures Amt, und heut’ zumal... Aber das muss nicht so sein.
Die Stückanalyse, die ein guter Dramaturg vornimmt, ...
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Die Aufführung von «Hoffmanns Erzählungen» unter James Levine und Jean-Pierre Ponnelle bei den Salzburger Festspielen war ein Novum, das bei der Premiere 1980 überwiegend kritisch aufgenommen wurde. Erst im Folgejahr stellte sich, nach einigen Umbesetzungen und regielichen Revisionen, der ganz große Erfolg ein. Dass er berechtigt war, lässt sich auf dem jetzt bei...
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