Neuschöpfung
Über tausend Lieder hat Mikis Theodorakis geschrieben, die meisten auf Texte griechischer Lyriker seiner Zeit. Stücke für die Straße, den Tanzboden, das Haus, den Konzertsaal. Kleine Ermutigungen in einer todessüchtigen Welt. Miniaturen für ein besseres, gerechteres Leben in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Kurzgeschichten, die von Lust und Leid, Werden und Vergehen, Kampf und Stille erzählen. Ein Panoptikum fliegender Gedanken und Gefühle, das in den volksmusikalischen Traditionen Griechenlands wurzelt. Heimatklänge, in denen zugleich Europa vielstimmig widerhallt.
Sebastian Schwab, ein junger deutscher Komponist (*1993), bearbeitete anlässlich des 90. Geburtstags von Theodorakis (im Juli 2015) dreizehn seiner Melodien für Stimme(n) und Klavier. Neuschöpfungen, die das Flair der Vorlagen unangetastet lassen und doch einen eigenen Ton finden, in dem auch mal der Geist Weills und Eislers («Wie geheimnisvoll schön meine Liebste ist»), die Melancholie Chopins («All meine Habe») oder das elegische Antlitz Schuberts («Betörendes Lied») aufscheinen. Die Nachdichtungen der Texte (u. a. von Dionisis Karatzas) steuerte die Theodorakis-Vertraute Ina Kutulas bei; die Idee zu diesem ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Ab und an taucht inmitten der Figuren, die zur Handlung von Tschaikowskys «Iolanta» gehören, auch dieses zarte Mädchen im senffarbenen Kleid auf. Wer ist sie? Iolantas stumme Schwester, ihr anmutiges Alter Ego? Wir erfahren es bald genug: Als wir nämlich nach dem finalen Akkord des Einakters applaudieren wollen, winken die Darsteller ab – noch nicht! Schon weitet...
Noch immer scheint Vincenzo Bellinis «Norma» untrennbar mit der Primadonna assoluta Maria Callas verbunden, die in den 1950er-Jahren das Werk rehabilitierte und mit ihrer Interpretation bis heute Maßstäbe setzte. Auch Cecilia Bartolis Versuch einer von dramatischem Gewicht deutlich befreiten Neudeutung der halsbrecherischen Partie der Druidenpriesterin konnte daran...
An den Anfang seiner Inszenierung von «Boris Godunow» stellt Richard Jones ein Bild so licht und unschuldig wie aus einem Kinderbuch. Der Vorhang zeigt eine Kinderhand beim Griff nach einem Kreisel. Als dann im Saal die Lichter ausgehen, wird Miriam Buethers klaustrophobisches Bühnenbild enthüllt: Wände schwarz wie Reifengummi, mit der Zarenglocke als Relief. Auf...
