Neues und Altes
Klappern gehört zum Handwerk. Es reicht nicht, Gutes und Schönes zu tun. Man muss auch darüber sprechen. Und dafür sorgen, dass darüber gesprochen wird. In Zeiten knapper Kassen und schiefer Haushaltslagen gilt diese Erkenntnis mehr denn je. Schon ein flüchtiger Blick auf die neuen Jahresbroschüren der Häuser bestätigt die Bedeu-
tung, die dem Marketing zugemessen wird: Ohne hippes Design kein künstlerisches Sein. Alles zielt auf die corporate identity, oft steckt der programmatische Esprit vor allem in der peppigen Etikette.
Ein Altmeister der Kunst, die Kunst des (Musik-)Theaters mit flotten Sprüchen zu verkaufen, ist Jürgen Flimm. Auf seine alten Tage will der aus Salzburgs Festspielzentrale in die Intendanz der Berliner Staatsoper wechselnde Rheinländer offenbar noch mal allen zeigen, was eine Harke ist. Bei der Vorstellung der Spielzeit 2010/11 im noch voll eingerüsteten Ausweichquartier Schiller Theater suchte sich Flimm einmal mehr als everybody’s darling zu situieren – natürlich im Dienst an das neue Haus, das für mindestens drei Jahre auf seinen sanierungsbedürftigen Stammplatz Unter den Linden verzichten muss. Neun große und acht kleine (für die Werkstattbühne geplante) ...
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Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin. Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige...
Eine «Männergesellschaft», die sich auszeichnet durch den hohen Anspruch an Gemeinschaft, an Wissen, Wahrheit, Erkennen und Sicherheit, die aber, dogmatisch erstarrt, Körperlichkeit und Sinnlichkeit (repräsentiert im «Weiblichen») ausschließt und sich damit an den Rand des Untergangs bringt: Die Beschreibung der «Parsifal»-Problematik, wie sie Regisseur Frank...
In den vierzehn Jahren der Ägide von Rolf Liebermann hat die Hamburgische Staatsoper 22 neue Opern herausgebracht. Die meisten davon seien, wie Pierre Boulez in seinem berühmten «Spiegel»-Interview spöttelte, von Liebermann selbst geschrieben worden – durch andere Komponisten im (Un-)Geiste des bürgerlichen Durchschnittsgeschmacks. Dieser Geschmack wurde später,...
