Alternative Avantgarden

Expressionistische Gluthitze: Die Deutsche Oper Berlin entdeckt den Komponisten Hermann von Waltershausen

Opernwelt - Logo

Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin.

Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige musikdramatische Konzepte und Tonsprachen, die andere Wege ins Unbetretene einschlugen als die Zweite Wiener Schule, unser Wissen um kulturelle Vielfalt bereicherten, unsere in der Wiederholung der immer gleichen Werke ermüdete Sensibilität stimulierten und die bereits von Adorno in Bezug auf Zemlinsky formulierte Erfahrung aktualisierten, dass das Paradigma seriellen Komponierens ein zwar starkes, bei Weitem aber nicht das einzige Modell legitimen musikalischen Handelns ist.

Der kluge Kopf dahinter war Chefdramaturg Andreas K. W. Meyer. Ambitionierte, materialreiche Programmbücher und Mitschnitte sollten den Werken, die selbst Spezialisten vorher allenfalls dem Titel nach kannten, den Weg zurück ins Repertoire bahnen. Berlin als Leuchtturm des Musiktheaters. Nicht des interpretierenden Musiktheaters, sondern eines der neuen Stoffe, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rigoletto in der Todesfabrik

Wenn die Wiener Philharmoniker am Neujahrstag ihr traditionelles Walzerkonzert geben, bleibt bei Zofia Posmysz in Warschau der Fernseher aus. Während die halbe Welt am heimischen TV-Schirm der schönen blauen Donau und dem obligatorischen Kaisermarsch entgegenfiebert, kann die Journalistin und Buchautorin dem Glück im Dreivierteltakt nicht viel abgewinnen. Im...

Angst, Schwäche, Glaubensfreude

«Verfluchte Körper, Gerettete Seelen» weht auf der Spielplanflagge, unter der Nikolaus Bachler die Bayerische Staatsoper in dieser Saison verrucht-schön segeln lässt. Die geschmeidige Höllenmetaphysik gilt für Mozart und Puccini, und sie soll das Publikum auch dann berühren, wenn es eine sperrige Novität oder eine fromme Bizarrerie erlebt – nach Peter Eötvös’...

Grétry & Co.

Die Opéra Comique gehört heute wieder zu den aktiven Pariser Opernhäusern. Die Direktion sieht es als primäre Aufgabe des Hauses an, «das französische Repertoire zu pflegen». Der Verständlichkeit des Textes komme dabei, wie stets in der französischen Operntradition, eine große Rolle zu. Konkret heißt das: Auf der Bühne der Salle Favart uraufgeführte Werke wie...