Mut der Verzweiflung
Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern.
Erst der ehemalige Colón-Intendant Tito Capobianco ging das Wagnis ein, «König Kandaules» auf den Spielplan zu setzen: Das unvollendet hinterlassene, von Antony Beaumont komplettierte Opus wurde damit zum ersten Mal überhaupt auf dem amerikanischen Kontinent in Szene gesetzt (dabei hatte Zemlinsky es in den USA komponiert).
Allerdings fielen die Vorstellungen mitten in eine Phase scharfer Auseinandersetzungen am Colón. In den seit langem schwelenden Konflikten geht es um die Bezahlung des fest angestellten Personals. So begann schon die Premiere mit einer fünfzigminütigen Verspätung, die zweite Vorstellung fing eine Stunde später als annonciert an. Die dritte wurde schließlich abgesagt, das bereits platzierte Publikum nach Hause geschickt. Und die vierte Aufführung kam nur auf Grund einer in allerletzter Minute erzielten Vereinbarung zwischen einer der in ...
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