Das bewältigte Erbe

Oldenburg, Berg: Wozzeck

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«Ich stehe vor einem Wunder», soll Alban Berg ge­äußert haben, als er im März 1929 in Oldenburg die ers­te deutsche Produktion seines «Wozzeck» nach der Berliner Uraufführung von 1925 erleben durfte, und seitdem gilt diese Oper am Oldenburgischen Staatstheater als eine Art Vorzeigestück der Moderne. Ein Anspruch, dem die Neuinszenierung von Bruno Klimek in besonderem Maße gerecht wurde.


Der Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion lässt sich nicht ein auf eine der üblichen Bebilderungen der «Wir arme Leut!»-Formel, illustriert keine soziologischen Sachverhalte wie das Elend des Proletariats, sondern verlagert das Geschehen ins Innere der Hauptperson. Dieser Wozzeck wird bedrängt von grotesken, lemurenhaften Wesen, die sich zwar Hauptmann, Andres oder Doktor nennen, in Wahrheit aber nur Teil seiner Visionen sind, so wie auch das Wirtshaus nur in seiner Fantasie existiert. Das alles ist «real» allein in Woz­zecks angstvoll beredter Mimik. Auch in den emotional aufgeladenen Szenen mit Marie verzichtet der Regisseur vollständig auf realistische Ausdeutung, wenn etwa zu Wozzecks Worten von den «süßen Lippen» die beiden unbeweglich hintereinander stehen – horchend auf das, was sich ...

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Opernwelt November 2005
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhart Asche

Vergriffen
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