Mozart: La clemenza di Tito
Erneut stellt sich die Frage: Was fangen wir heute an mit Titus und seiner Clemenza? Regisseur David McVicar scheint Hildesheimer gelesen zu haben, der den Edelmut des Imperators «auf Kosten jeder psychologischen Wahrheit besonders penetrant» fand, «da der Held selbst mehrfach darauf hinweist». So lässt der Regisseur an der English National Opera den Herrscher von dessen Garde, einem seltsamen Haufen in strenger Choreografie sich bewegender Kämpfer nach Vorbildern aus Fernost, am Schluss mit ihren Speeren metzeln.
Ein «Titus» auch für unsere Ellenbogengesellschaft, etwa nach dem Motto: Der Starke braucht Milde nicht zu üben, und für den milden Schwachen ist kein Platz? Das Ende von McVicars Inszenierung erinnert eher an den Mord an Julius Cäsar – der Regisseur verweigert bewusst alle allzu deutlichen Anspielungen an die Gegenwart. Wieder die bei McVicar trotz unterschiedlicher Bühnenbild-Partner mittlerweile beinahe obligaten Querverbindungen zur bildenden Kunst: Die beweglichen Bühnenelemente von Ausstatter Yannis Thavoris zitieren Skulpturen der Bildhauerin Cristina Iglesias und geben dem Geschehen das Flair überzeitlichen Spiels.
In dessen Zentrum steht hier Vitellia, ...
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Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
Herr Schöne, im März sind Sie nach einer Vorstellung als Kurwenal im «Tristan» nach zweiunddreißig Jahren im Ensemble der Staatsoper Stuttgart verabschiedet worden: Hier gilt die gesetzliche Altersgrenze. Sie werden in Zukunft zwar gelegentlich in Stuttgart singen, auch wenn Albrecht Puhlmann in der Spielzeit 2006/07 seine Intendanz antritt – aber als Gast. Hat der...
Für viele Pariser Opernfreunde ist das Théâtre du Châtelet als Opernhaus interessanter als die Nationaloper mit Bastille und Palais Garnier. Zu Zeiten von Stéphane Lissner mag das richtig gewesen sein, doch seit Hugues Galls Direktorenzeiten haben Bastille und Garnier doch erheblich aufgeholt, nicht zuletzt durch einige interessante Uraufführungen, zum Beispiel ...
