Mit leiser List
An die 90 Jahre Operngeschichte konnte Hans Pischner überblicken: von Glucks «Orpheus und Eurydike», die er als Kind in Breslau gesehen hatte, bis zu Beethovens «Fidelio», den er – als Neuinszenierung von Harry Kupfer – am 3. Oktober dieses Jahres in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater aufmerksam mitverfolgte.
Noch als Hundertjähriger erinnerte er sich lebhaft und klar an die anthroposophisch inspirierten Bühnenbilder von Hans Wilhelm Wildermann, der im ersten Akt von Wagners «Parsifal» den Wald durch eine Säulenhalle ersetzt hatte, in der Pischner als Kind auf der Bühne stand und sang: «Der Glaube lebt; die Taube schwebt, des Heilands holder Bote». Auch Herbert Graf, der bald darauf emigrieren musste, gehörte – als damals schon «moderner Regisseur» – zu den ihn prägenden Künstlern. Später, Anfang der 70er-Jahre, sind sie sich in der Salzburger Collegienkirche wiederbegegnet, wo Pischner in Cavalieris «Rappresentazione di anima e di corpo» mitwirkte – als Cembalist.
Feinsinnig, beseelt, überaus kenntnisreich – so war Pischner als Musiker. Über Jean-Philippe Rameau hatte er seine Dissertation geschrieben, gemeinsam mit dem Geiger David Oistrach Bachs Violinsonaten, als ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jan Brachmann
Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft...
In den letzten, pompös-auftrumpfenden, musikalisch aber brüchigen Takten verschwindet er: Calaf, der Prinz aus der Fremde, der Turandot so sehr begehrt, dass er für sie sein Leben aufs Spiel setzt. Verschwindet in der Menge, die soeben noch rabiat seine Verbindung mit Turandot eingefordert hat. Calaf aber traut dem Frieden nicht (ganz wie einst Puccini), und er tut...
Die Schlange, Urgrund allen Übels. Langsam windet sie sich über die Wählscheibe der Pariser Telefonzelle, ihr klein-gefährlicher Kopf, auf zwei schwingende Tücher über der Szene projiziert, ist in Großaufnahme zu sehen. Später wird die Versucherin über die auf dem Bett sinnende Margarethe gleiten, der Nachbarin Marthe hängt sie beim Flirt mit Mephisto um den Hals....
