Mit Kinderaugen
Der Anlass verlangte nach dem Einsatz aller Mittel: die Hochzeit von Ludwig XIV. mit Maria Teresa von Spanien. Also wurde bei Francesco Cavalli eine spektakuläre Oper in Auftrag gegeben, mit allen Effekten, die die Bühnentechnik 1662 hergab. Uraufgeführt wurde «Ercole Amante» in einem für die Vorstellung extra errichteten Saal der Pariser Tuileries, wo die Musik angesichts des optischen Overkills allerdings beinahe unterging.
Eine solche Gefahr bestand in der Opéra Comique nicht, wo dieses Juwel nun wieder zu bestaunen war: Die Akustik der Salle Favart bewährte sich einmal mehr als optimal für barockes Repertoire, zumal die Wiedergabe in den Händen eines Experten wie Raphaël Pichon lag. Orchester und Chor des Ensembles Pygmalion spielten so prachtvoll wie subtil, fanden die ideale Mischung aus italienischem Glanz und französischem Feingefühl, die diese durch und durch europäische Musik auszeichnet.
Wie geht man heute mit dem Maschinentheater des 17. Jahrhunderts um? Valérie Lesort und Christian Hecq, denen am selben Ort schon der Erfolg von Aubers «Le Domino noir» zu verdanken war, geben eine interessante Antwort. Da kaum noch jemand an die Heroen der antiken Mythologie glaubt, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Christian Merlin
«Wandrer heißt mich die Welt», singt der alternde Wotan im «Siegfried». Wie in allen wichtigen Figuren seiner Musikdramen steckt auch im Wanderer der Komponist selbst. Im Libretto ist das Wandern allerdings eher ein metaphorischer Akt. Wotan streift ruhelos durch die Welt, nachdem er zum Opfer seiner eigenen Verträge wurde. Machtlos, wie er ist, kann er nicht...
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser...
Im ersten Akt tauschen die Anführer am Strand von Mexiko Geschenke. Der Mexikaner Telasco bringt Gold, Blumen und reizende Frauen, Cortez antwortet mit einem Degen. Das also sind die Geschenke Europas – vielleicht werden die Spanier sie eines Tages in unseren Händen wiederfinden, ist Telascos bestürzte und zugleich stolze Antwort. Als Gaspare Spontinis «Fernand...
