Mehr Oratorium als Oper
Nach der Brüsseler Uraufführung im Jahr 1991 ist John Adams’ zweite Oper «The Death of Klinghoffer» nur selten auf die Bühne gekommen. Im Vereinigten Königreich folgte auf eine konzertante Londoner Aufführung im Jahr 2002 nur noch eine Produktion der Scottish Opera, die 2005 beim Edinburgh Festival gezeigt wurde. Erst jetzt, fast einundzwanzig Jahre nach der Uraufführung, wurde die Oper auch in London szenisch realisiert.
Die Voraussage, es könne neuerlich zu Protesten kommen, hat sich nicht bestätigt; lediglich ein einsamer Demonstrant hatte sich zur Premiere mit einem Plakat vor dem Londoner Coliseum eingefunden, eifrig gefilmt von Kamerateams gleich mehrerer TV-Sender.
Zwei Jahrzehnte, nachdem die Debatten um «The Death of Klinghoffer» entbrannten, schien die von Tom Morris eindrücklich in Szene gesetzte und dem auf Musik der Gegenwart spezialisierten Dirigenten Baldur Brönnimann adäquat geleitete Neuproduktion vor allem eines zu beweisen: dass die Problematik der Oper langfristig eher ästhetischer denn politischer Natur sein dürfte. Denn der Terrormord an dem im Rollstuhl sitzenden jüdisch-amerikanischen Touristen – die Tat markiert im Grunde die einzige Aktion auf der Bühne – ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von George Hall
Der Musikwissenschaftler Richard Taruskin hat Nikolai Rimsky-Korsakows vorletzte, ein Jahr vor seinem Tod 1907 uraufgeführte Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija» als «eine Art Testament» bezeichnet. Dmitri Tcherniakov erlöst das Werk aus der verbiegenden Heiligsprechung eines russischen «Parsifal» und holt es in seiner...
Eine junge Frau tappt durchs Dunkel. Kurz sehen wir ihr Gesicht, ihre nackten Füße, im Staccato einer flackernden Taschenlampe. Dann verschwindet sie. Leuchtet wieder auf, wie eine Ikone. Verschwindet wieder. Nur wenn die Frau den handbetriebenen Dynamo in Gang setzt, wird es Licht. Ratsch macht es dann und ratsch und ratsch, immer schneller. Darüber schwebt ihre...
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung...
