Medea, Maeterlinck und das verlorene Paradies
Zum zweiten Mal hat die Vlaamse Opera ihre (zum Teil schon länger bestehenden Kooperationen) mit freien Gruppen wie «Muziektheater Transparant» in Antwerpen, dem Musiktheaterkollektiv LOD in Gent und dem Veranstaltungszentrum De Singel in Antwerpen zu einem kleinen Festival zusammengefasst. Es sind überwiegend flämische und niederländische Künstler, die hier zu Wort kommen, und sie finden ein meist lokales, aber sehr aufgeschlossenes und interessiertes Publikum vor.
Die künstlerische Bedeutung des Unternehmens reicht aber über die Region hinaus – was nicht zuletzt in internationalen Koproduktionen zum Ausdruck kommt.
Einen tatsächlich ganz neuen Weg geht der Komponist Wim Henderickx mit seinem Musiktheater «Medea»: Die Musik entstand völlig unabhängig vom Text. Es ist ein aus einem mediterranen Idiom abgeleiteter großer Klagegesang, verteilt auf sechs Instrumentalisten und die ausdrucksstarke türkische Sängerin Selva Dolun Erdener. In einer wie improvisiert wirkenden Heterophonie überlagern sich die melismatischen Linien, verdichten sich und ziehen sich wieder zurück. Dabei lassen sie Raum für die vier langen Monologe, in denen Peter Verhelst die Medea-Tragödie als Selbstaussagen ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Ingo Dorfmüller
Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner...
Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegenüber dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat,...
Die Blumen sind schön. Und riesig. Einen ganzen Balkon könnte man mit ihnen schmücken. Oder die größte Vase der Welt. Doch hier, wo es darum geht, die Liebe und ihre Tauglichkeit fürs Leben zu erproben, dienen die langstieligen gelben und fliederfarbenen Schönheiten einzig und allein der Werbung zweier falscher Galane. Also wedeln die Herren Ferrando und Gugliemo,...
