Mattes Déjà-vu
An Mozart kommt man in diesem Jubeljahr selbst in Bayreuth nicht vorbei: Auch während der neuen «Ring-Produktion erreichen uns die Töne des zärtlichen Revolutionärs. Noch haben wir ganz andere Klänge vom Schluss des «Rheingold» im Ohr, den pompös-zeremoniellen Götterzug nach Walhall, den verzweifelten Sirenengesang der Rheintöchter, da hören wir auf dem Weg vom Grünen Hügel aus einem offenen Fenster «Non più andrai, farfallone amoroso».
Wir erinnern uns, dass am selben Tag ja auch Salzburgs hochgehypter «Figaro» ansteht, eilen vor eine Mattscheibe – und erleben ein seltsames Déjà-vu: Treppenhaus, Video-Projektionen, Doppelgänger, all das erinnert in gewissem Sinne an den «Fliegenden Holländer», mit dem am Abend zuvor die Bayreuther Festspiele eröffnet wurden. Kein Zufall: Der Regisseur heißt in beiden Fällen Klaus Guth, der Bühnenbildner Christian Schmidt.
Was beim «Figaro» noch frisch und kreativ wirkt, scheint bei Guths vier Jahre alter Interpretation des «Fliegenden Holländer» am Grünen Hügel bereits etwas abgestanden. Sentas autistisches Eintauchen in die Märchenwelt, die Projektion der Liebe zum Helden auf den Vater, die angedeutete inzestuöse Beziehung, das Unheimliche ...
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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard Persché, Thomas Rothkegel
Herr Foccroulle, inwieweit wollen Sie anknüpfen an die Tradition des Festivals von Aix-en-Provence?
Tradition ist für mich sehr wichtig. Es gibt seit sechzig Jahren eine Tradition dieser Festspiele, die von Daniel Dusurget bis hin zu Stéphane Lissner reicht, der das Festival acht Jahre leitete. An diese Tradition will ich anknüpfen, aber ich möchte sie auch...
Ob Fritz Wunderlich wirklich der «größte» Tenor war, der während der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Opernbühnen und Konzertpodien der Welt eroberte, ist eine müßige Frage. Nicht einmal der bekennende Wunderlich-Fan Werner Pfister, Autor der ersten umfassenden Biografie über den damals wie heute gefeierten Sänger, will sich da festlegen. Doch wenn...
Vornehm ausgedrückt, haben wir es mit lauter überreizten Figuren zu tun. Sie fuchteln in grellem Licht mit ihren Messern, das Blut spritzt munter, die Bühne gleicht einem Müllhaufen. Es wird gesexelt und proletet, gespuckt, gesoffen und deliriert. «Don Giovanni» aus der Sicht Calixto Bieitos. Wir wollen diese Zeilen lieber nicht damit füllen, wie der katalanische...
