Manche Kompromisse schmerzen

Als Privatperson nimmt ANKE VONDUNG sich nicht weiter wichtig. Sie spricht lieber durch das, was sie tut. Auf der Bühne und im Konzertsaal. Um aufzublühen, braucht sie den Kontakt zum Publikum. Von den Strapazen des Betriebs erholt sich die aus Speyer stammende Mezzosopranistin mit Lied-Projekten. Ein Gespräch über Glücksmomente, Hemmungen und die Bedeutung einer künstlerischen Mitte

Opernwelt - Logo

Frau Vondung, ich musste Sie zu diesem Gespräch regelrecht überreden. Offenbar mögen Sie keine Interviews ...
Ja!!! (lacht)

Das kam aus tiefster Seele. Warum meiden Sie das öffentliche Wort?
Ich bin einfach medienscheu. Das ist nicht mein Ding. Wenn ich Interviews lese, habe ich oft den Eindruck, dass die Fragen schon die erwünschte Antwort enthalten.

Mir kommt das wie ein Spiel mit verteilten Rollen vor, in dem es mehr um Eitelkeiten oder um die Bestätigung vorgefertigter Meinungen oder um die Befriedigung von Publikumserwartungen geht als um die Sache. Wenn man sich auf dieses Spiel einlässt, muss man auf der Hut sein, sich winden, taktieren. Um dem zu entgehen, ducke ich mich lieber weg. Ehrliche Antworten will ja sowieso keiner hören ... (lacht)

Wann haben Sie Ihr letztes Interview gegeben?
Das ist schon eine Weile her. Ich nehme solche Termine nur auf mich, wenn es gar nicht anders geht. Vor der neuen «Carmen» an der Semperoper zum Beispiel war das so. Irgendwann führte kein Weg mehr an einem Treffen mit der Lokalzeitung vorbei. Also habe ich geschluckt, tief durchgeatmet und mich dem Schicksal gefügt.

Mit dieser Haltung stehen Sie nicht allein. Kirill Petrenko etwa, Musikchef der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Interview, Seite 34
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Ironisch verrüscht

Endlose Tonangeln mit einem Puschel am Schluss. Eine Personenrevue ohne durchlaufend-konsistente Handlung. Ein Opernballett-Zwitter vom Schablonenmeister des französischen Hochbarock. Kennt kein Mensch. Und doch brachten es die «Fêtes vénitiennes» des André Campra ab 1710 auf mehr als 300 Aufführungen, wobei das Werk zahllose Umarbeitungen erfuhr. Ein rauschender...

Poesie auf Sägespänen

Eine vollkommen widersinnige Sache sei dies, hat Nikolaus Harnoncourt einmal ironisch gezürnt. Dass sich der Flughafen mit dem Zusatz «W. A. Mozart» schmücke, sei Salzburg, das seinen größten Sohn per Fußtritt aus der Stadt beförderte, nun wirklich nicht erlaubt. Immerhin: Es gibt noch andere Imageträger, und die können schmerzhaft zurücktreten. Ob die Schwemme am...

Ganze Arbeit

Zunächst einmal: Diese «Lucia» ist so vollständig wie möglich. Kirill Petrenko lässt sich von keiner sogenannten Tradition irritieren, die mit dem Notentext so leichtfertig umspringt, als hätte Donizetti dramaturgische Nachhilfe nötig. Striche gibt es also nicht. Das Stück wird dadurch klarer und wirkt – trotz der längeren Spieldauer – kürzer als bei vielen...