Ironisch verrüscht
Endlose Tonangeln mit einem Puschel am Schluss. Eine Personenrevue ohne durchlaufend-konsistente Handlung. Ein Opernballett-Zwitter vom Schablonenmeister des französischen Hochbarock. Kennt kein Mensch. Und doch brachten es die «Fêtes vénitiennes» des André Campra ab 1710 auf mehr als 300 Aufführungen, wobei das Werk zahllose Umarbeitungen erfuhr. Ein rauschender Erfolg. Und dann ging’s ab in den Keller. Nur von einzelnen Arien und Instrumentalstücken existieren Aufnahmen.
An der Pariser Opéra Comique war die Zeit reif für einen Triumph in Gänze.
Zum 300-jährigen Bestehen des Hauses gönnt man sich, die Regel des Koproduzierens ohne eigenes Orchester zu den eigenen Gunsten auslegend, mit William Christie und Les Arts Florissants Gäste, deren Schliff selbst in den spezialisierten Gefilden der historischen Aufführungspraxis Spitze ist. Und mit Robert Carsen einen Regisseur, der es wie kaum einer versteht, Locken auf der Glatze zu drehen: Je schlechter die Stücke, desto besser seine Inszenierungen.
Carsens Aufführung, fast ganz in Rot getaucht, schickt eine Touristenhorde auf den Markusplatz und nimmt das zum Anlass eines Kostüm-Rollbacks, wie man’s prächtiger und lustiger lange nicht ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Foucs, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Vor sechs Jahren sang Philippe Jaroussky auf dem Album «Opium» erstmals französische Lieder der Belle Époque (siehe OW 5/2009). Im Sinne einer Mentalitätsgeschichte der Klänge ließe sich auch rechtfertigen, dass ein Countertenor dieses Repertoire pflegt, gerade jetzt, da Jaroussky zwei neue CDs mit Liedern nach Paul Verlaine aufgenommen hat. Als 1869 durch die...
Der erste Wagner-Verband wurde 1871 in Mannheim gegründet, zu einer Zeit also, als noch nicht einmal der Grundstein für das Bayreuther Festspielhaus gelegt war. Verantwortlich dafür war der Musikalienhändler Emil Heckel (1831-1908), dem Wagner später folgende Widmung schrieb: «Hat jeder Topf seinen Deckel, jeder Wagner seinen Heckel, dann lebt sich’s ohne Sorgen,...
Eine vollkommen widersinnige Sache sei dies, hat Nikolaus Harnoncourt einmal ironisch gezürnt. Dass sich der Flughafen mit dem Zusatz «W. A. Mozart» schmücke, sei Salzburg, das seinen größten Sohn per Fußtritt aus der Stadt beförderte, nun wirklich nicht erlaubt. Immerhin: Es gibt noch andere Imageträger, und die können schmerzhaft zurücktreten. Ob die Schwemme am...
