Mal ehrlich März 2018
Vor 25 Jahren machte ich mich an einen Roman. Zwischen meinen Proben für Monteverdis «Ulisse» in Amsterdam gab’s viel Zeit totzuschlagen. Wartephasen sinnvoll zu füllen, ist überlebenswichtig als Comprimario – und wozu kleine Brötchen backen?
Leider habe ich das Manuskript, zusammengehämmert auf einer elektrischen Reiseschreibmaschine, längst verschlampt. Mein Geschreibsel handelte von einem egomanen Dirigenten namens Jack Ellison Fieldman (Ähnlichkeiten mit realen Personen wären purer Zufall!), der auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis eine steile Karriere macht.
Die Seiten zwischen Anfang und Schluss bekam ich nie gefüllt, aber im letzten Kapitel kriegt der Antiheld sein Fett weg: Ein Typ, den er an der Uni mal über den Tisch gezogen hat, setzt Fieldmans Laufbahn jäh ein Ende, als er dem Publikum ein bisher unerhörtes Maß an «Authentizität» schenkt: Gustav Mahlers Fünfte, dirigiert vom Komponisten höchstselbst und gespielt von den Wiener Philharmonikern, allesamt persönlich anwesend in Form bewegter Hologramme!
Meine Argumentation sah so aus: Wenn Technik und Forschung etwas hervorbringen, das praktisch «das Wahre» ist, wer braucht dann noch bloße Interpreten? Der ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 71
von Christopher Gillett
Ägypten
Kairo
Cairo Opera
Tel. +20-2-736 73 14
info@cairoopera.org
www.cairoopera.org
– Il trovatore: 14., 16.
Argentinien
Buenos Aires
Teatro Colón
Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Eötvös, Tri sestri: 13. (P)., 16., 18., 20.
ML: Schumann, I: Szuchmacher, B+K: Ferrari, S: Vaskeviciute, Laprovskaja, Hasanagić, Garay, Pavón, Guedes
Australien
Adelaide
State...
Dieser dreieinhalb Tonnen schwere, entwurzelte Stamm: ein wahrhaft gewichtiges Symbol der Unterdrückung. Am Schluss schwebt das Ungetüm, von mächtigen Winden in die Höhe gewuchtet, gen Decke davon: Die Schweiz ist frei. Nach Palermo kam der Baum aus London, wo er in Damiano Michielettos provokanter «Guillaume Tell»-Inszenierung an Covent Garden seinen ersten...
Die drei Rheintöchter schwingen an Lianen über die Bühne, nackt sehen sie aus, ihre goldblonden Locken-Mähnen wehen im Wind. Am Rande steht der zottelige Satyr Alberich, geifernder Lüstling. Er will eine haben, allzeit bereit mit dauererigiertem Glied. Die Liebe bleibt ihm verwehrt, aber die güldenen Haare, die raubt er. Das war es mit der Natur, mit der Unschuld,...
