Nymphenzauber
Die drei Rheintöchter schwingen an Lianen über die Bühne, nackt sehen sie aus, ihre goldblonden Locken-Mähnen wehen im Wind. Am Rande steht der zottelige Satyr Alberich, geifernder Lüstling. Er will eine haben, allzeit bereit mit dauererigiertem Glied. Die Liebe bleibt ihm verwehrt, aber die güldenen Haare, die raubt er. Das war es mit der Natur, mit der Unschuld, an ihre Stelle tritt der Konsum. Dem verfallen alle. Am Ende sogar die Rheintöchter. Nach dem Frevel geht es weiter in einem Heute, das wir nur allzu gut kennen.
Verena Stoiber eröffnete den neuen «Ring»-Zyklus in Chemnitz – drei weitere Regisseurinnen setzen sich bis Jahresende mit der Tetralogie auseinander. Ob ihre Lesart eine spezifisch weibliche ist, sei dahingestellt, schwer zu definieren ist das ohnehin. Stoibers Blick richtet sich, ganz übergeschlechtlich, auf die Konsumkritik. Sicherlich keine ganz neue Sicht auf die «Ring»-Dinge, aber sie hat feine Ideen. Loge, der Brandstifter, ist es, der Alberich stumm das Messer reicht, um den Rheintöchtern Haare und Würde zu nehmen. Wotan und Loge meinen Alberichs Tarnkappen-Verwandlung in Wurm und Kröte zu beobachten, in Wahrheit sehen sie nur, was sie sehen wollen. Er hält ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Nora Sophie Kienast
Thomas Hampson gehört zur kleinen Schar jener Sänger, die gleichermaßen auf der Opernbühne wie auf dem Konzertpodium zu Hause sind. Seine neueste CD widmet sich der mélodie, dem französischen Kunstlied des 19. Jahrhunderts, das seine Wurzeln in den adeligen und großbürgerlichen Salons des Zweiten Kaiserreichs und der Dritten Republik hat. Das klug komponierte,...
Bühne und Zuschauerraum sind klein, doch das Geschehen wirkt ins Große geweitet. Das war schon so bei der eindrucksvollen Produktion von Luigi Nonos Hörtheater «Prometeo», mit der Benedikt von Peter seine Intendanz am Luzerner Theater eröffnete (OW 11/2016). Damals erstreckte sich eine aus rohen Planken gefertigte Arche von den Tiefen der Bühne über den...
Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...
