Makellose Technik, stupender Ausdruck
Die Barockoper und die der Vorklassik sind heute fest in den Händen der Countertenöre. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein Solorecital eines der führenden oder aufstrebenden Vertreter dieses Fachs erscheint. Hier spiegelt sich die Hierarchie der barocken Theaterpraxis der Opera seria wider, in der die männlichen Hauptpartien Alt- bzw. Soprankastraten vorbehalten waren. Bässe finden sich eher selten, ihre Domäne war die Opera buffa. Aber auch die Tenöre blieben meist Randfiguren und stellen neben Vätern mit Vorliebe Schurken und Tyrannen dar.
Nur in der französischen Tragédie lyrique, die keine Kastraten kennt, besaß der haute-contre, die hohe Tenorstimme, ein zentrales Daseinsrecht.
Allein schon aus diesem Grund ist die CD mit Gluck-Arien hoch willkommen, die der Tenor Daniel Behle jetzt herausgebracht hat. Dort finden sich, neben der populärsten Gluck-Arie, der Klage des Orpheus aus der französischen Version «Orphée et Eurydice», hauptsächlich unbekannte Stücke aus frühen, zwischen 1744 und 1756 entstandenen Seria-Opern – allesamt formal konventionelle Da-capo-Arien, die demonstrieren, dass der spätere Opernreformer in der Tradition aufwuchs, sie beherrschte und ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert
Der Komponist Gerhard Stäbler (Jahrgang 1949) gehört zu den Künstlern, die auf Messers Schneide operieren. Die gleichermaßen der angeblich reinen Autonomie des Ästhetischen (zumal der Systemgläubigkeit der Darmstädter Serialismus-Schule, die so monolithisch-dominant freilich gar nicht war) wie der Traditionsgattung Oper misstrauen, aber auch dem postmodernen...
Ach, Israel! In der Jerusalemer Altstadt feiern Familien ausgelassen Bar Mizwa, Pilger steigen staunend bergan zur Grabeskirche, und in den schattigen Gassen des arabischen Viertels hängt schwer der Duft nach Leder und Gewürzen. Kühl rinnt die Zitronenlimonade die Kehle hinab. «Israel ist mehr als ein Krisengebiet», sagt uns Tourismusminister Uri Landau, als wir...
Das nennt man antizyklisches Verhalten: Vier Tage vor Christoph Willibald Glucks 300. Geburtstag setzt die Niedersächsische Staatsoper das Werk eines anderen Jubilars auf den Premierenspielplan: Nicht Richard Strauss (der braucht als Rechtfertigung kein Jubiläum, es sei denn man wählt leichtfertig «Guntram», die «Feuersnot» oder den «Friedenstag»), sondern...
