Männerfreundschaft
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied».
Später gibt Tatjana sie an Lenski weiter.
Der wiederum greift im Duell nicht zur Pistole; vielmehr holt er die Waffe seines Freundes Onegin hervor, die dieser offenbar am Herzen trägt, legt sie behutsam in seine Hand mit der Bitte zur Exekution. Denn der Dichter ist lebensmüde, lässt sich quasi von seinem Freund hinrichten. Balázs Kovalik, Regisseur dieses «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper, hat den Text genau gelesen und sehr genau in die Musik hineingehört und in beiden deutliche Spuren von Peter Tschaikowskys Homosexualität gefunden: Mit dem «Herzensfreund», von dem Lenski im Mittelteil seiner Arie Abschied nimmt, sei mitnichten Olga gemeint, sondern eben Onegin.
Kovalik erzählt in diesem «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper keine realistische Story, sondern nimmt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unter den nordamerikanischen Festivals, die das ganze Spektrum der Künste ins Visier nehmen, ist Spoleto zweifellos die erste Adresse. Und in diesem Jahr zudem ein Ort, der auf zeitgenössische Oper setzt – und ganz nebenbei die Flexibilität der Gattung unterstreicht.
Publikumsrenner der zweiunddreißigsten Saison war «Monkey: Journey to the West», ein von...
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
«Das ist auch eine Frage der Qualität»
Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne
Herr Konwitschny, Ihr Kollege Giancarlo del Monaco hat in Zusammenhang mit seiner Inszenierung von «Manon Lescaut», die kürzlich in Leipzig herauskam, gesagt, er mache «Oper für das Publikum». Was...
