Männer unter Hormonstress

Donizetti: La Favorite München / Bayerische Staatsoper

Opernwelt - Logo

Das Einfachste wäre streichen. Also amputieren, was den meisten Gattungsvertretern der Grand Opéra passiert, die in jüngster Zeit verstärkt die Spielpläne bereichern. In der Münchner «Favoritin» hingegen bleibt die oft ungeliebte Ballettmusik verschont, wir erleben Körpergymnastik der besonderen Art. König Alphonse und Mätresse Léonor sitzen nebeneinander – im Kino. Der Widerschein des Leinwandflimmerns ist auf ihren Gesichtern und Körpern zu sehen.

Er, das große Machokind, steigert sich bis zur Schießbewegung hinein (ein Western?), sie lässt sich anfangs das Kuscheln gefallen, um bald genervt die Augen zu verdrehen.

Ein zehnminütiges Scherzo, das viel sagt über diese krisenbehaftete Zweisamkeit. Und manchmal sind in dieser Aufführung die Zeichen noch kleiner, noch subtiler, vielleicht auch ab Reihe zehn nicht mehr gut wahrnehmbar. Mit ihrer Donizetti-Inszenierung knüpft Amélie Niermeyer an jene Zeit an, als an der Bayerischen Staatsoper psychologisch durchgeformte Charaktere wichtiger waren als rahmende Kulinarik. Vielleicht lassen sich damit die Buhs eines mittlerweile anders konditionierten Publikums erklären. Langeweile, wie mancher der Produktion vorwarf, herrscht hier nicht – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Geht's auch schneller?

Schon seine erste Opernregie in Westeuropa hatte der Russe Kirill Serebrennikov an Berlins Komischer Oper realisiert – Olga Neuwirths spektakuläre «American Lulu» (siehe OW 11/2013). Im vergangenen Herbst dann kleidete der Theater- und Filmregisseur, Jahrgang 1969, in Stuttgart die Strauss-Oper «Salome» in Schockbilder einer kaputten Familie in kaputter Umwelt –...

Mit leiser List

An die 90 Jahre Operngeschichte konnte Hans Pischner überblicken: von Glucks «Orpheus und Eurydike», die er als Kind in Breslau gesehen hatte, bis zu Beethovens «Fidelio», den er – als Neuinszenierung von Harry Kupfer – am 3. Oktober dieses Jahres in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater aufmerksam mitverfolgte. Noch als Hundertjähriger erinnerte er sich...

Revue zwischen Suppenbüchsen

Als «rätselhaftes Kindvolk, das immer übergroß sein will, während es den Rest der Welt in Grund und Boden grinst» hat Peter Sloterdijk (etwas hochmütig?) die Amerikaner apostrophiert. Das passt genau auf die Legende vom kraftmeiernden, zugleich gutmütig-verschmitzten Riesen Paul Bunyan, der mythischen Figur eines Holzfällers aus den Wäldern Minnesotas – Symbol...