Macht der Liebe
Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Was Lange mit der Partitur der «Meistersinger» anstellt, ist grandios. Von bräsiger Steifheit oder Gestelzt-Germanischem in dieser Partitur ist schlichtweg nichts zu hören.
Schon die Ouvertüre ist ein in vielen Facetten funkelndes Juwel, zudem formal gebändigt. Markant treten die musikalischen Charaktere hervor, aber eben nicht altbacken und didaktisch, wie man es häufig hört. Da waltet die pure Lust. Entsprechend saftig klingt die Melodie der Sehnsucht in der Ouvertüre auf.
Und genau darum geht es Andreas Homoki: um sehnende Lust, um uneingeschränkte Liebe, immer um beides. Darüber vergisst man die nach wie vor krude Handwerkergeschichte. Und auch, dass diese Oper beladen ist durch ihre Rezeption. Noch Peter Konwitschny konnte seinerzeit in Hamburg gar nicht anders, als in der nach wie vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es dauert nicht lange, da serviert Calixto Bieito im Basler Theater den ersten Schocker. Ramfis (mit eindrucksvollem Oberkörper und kräftigem Bass: Daniel Golossov), ganzkörperbemalt als eine Art Fußballkrieger, hat ein aufgeschlitztes Reh dabei und wühlt in den blutigen Eingeweiden, während er die Schnauze küsst. Ein Priester in Soutane führt ein Kind an der...
Mit seiner fünfzehnten Oper, dem im Dezember 1849 in Neapel uraufgeführten melodramma tragico «Luisa Miller», hat Verdi die Schwelle der Meisterschaft erreicht. Und dennoch wird dieses Stück, in dem er, drei Jahre vor der ungleich erfolgreicheren «Traviata», in Anlehnung an Schillers «Kabale und Liebe» erstmals einen intimen Stoff gestaltet, nur selten aufgeführt....
Unter allen Opern Verdis nach «Rigoletto» ist «Les Vêpres siciliennes» das Aschenbrödel. Im Gegensatz zu anderen, früher ähnlich selten gespielten Werken wie «Simon Boccanegra» oder «La forza del destino» findet man die Oper aus dem Jahr 1855 heute nicht einmal gelegentlich auf den Spielplänen. Und kommt es einmal zu einer Aufführung, sind sich Fachwelt und...
