Kein richtiges Leben im falschen
Mit seiner fünfzehnten Oper, dem im Dezember 1849 in Neapel uraufgeführten melodramma tragico «Luisa Miller», hat Verdi die Schwelle der Meisterschaft erreicht. Und dennoch wird dieses Stück, in dem er, drei Jahre vor der ungleich erfolgreicheren «Traviata», in Anlehnung an Schillers «Kabale und Liebe» erstmals einen intimen Stoff gestaltet, nur selten aufgeführt. Verdis Librettist Cammarano hat Schillers handlungsarmes, aber ausufernd rhetorisches Trauerspiel geschickt aufs Format einer italienischen Nummernoper reduziert.
Was dabei an Komplexität des Dialogs und politischer Brisanz verloren ging, gleicht Verdis Musik durch heftige Emotionalisierung wieder aus: Sie macht hörbar, wie Luisa in einem Räderwerk aus Lügen und Intrigen zugrunde geht.
Verdis Formkunst ist mit Mitteln des Realismus nicht zu erfassen. Seine Menschen sind keine Ideenträger, sondern singende Triebsubjekte. Welch konträre szenische Folgerungen sich daraus ziehen lassen, demonstrierten die beiden Aufführungen zu Spielzeitbeginn in Wiesbaden und Stuttgart, die sich ästhetisch radikal unterschieden und doch in ihrem Scheitern einander glichen.
Markus Dietz ließ sich in Stuttgart von dem im vergangenen Dezember ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Plötzlich ging es schnell. Keine Woche nachdem die Münchner Kulturpolitik (samt Machtkämpfen und einzelnen Produktionen der Staatsoper) in der Kritikerumfrage der «Opernwelt» als «Ärgernis des Jahres» gewertet wurde, traten Kunstminister Wolfgang Heubisch und Intendant Nikolaus Bachler vor die Presse. Bahnhof für den neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen...
Schinznach-Dorf ist ein Ort im Aargau mit 1200 Einwohnern, nicht weit von Zürich entfernt, in der Nähe der deutschen Grenze gelegen, umgeben von Hügeln und Weinbergen. Die Idee, in dieser verschlafenen Idylle ein Opernfestival ins Leben zu rufen, erscheint aberwitzig. Der Tenor Peter Bernhard, der dort wohnt, hatte sie trotzdem und setzte über Jahre hinweg alles...
Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen DVD-Aufzeichnungen von Opernproduktionen eine Korrektivfunktion: Während in der Hochspannung des Premierenabends das musikalische Ergebnis oft unter den Möglichkeiten der Beteiligten bleibt, kommt die meist aus mehreren Folgeabenden zusammengeschnittene DVD dem erhofften Ideal weit näher. Missglückte Spitzentöne und...
