Im Blick der Kamera
Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen DVD-Aufzeichnungen von Opernproduktionen eine Korrektivfunktion: Während in der Hochspannung des Premierenabends das musikalische Ergebnis oft unter den Möglichkeiten der Beteiligten bleibt, kommt die meist aus mehreren Folgeabenden zusammengeschnittene DVD dem erhofften Ideal weit näher. Missglückte Spitzentöne und verpasste Einsätze sind eliminiert, Tempi und Ensembles haben sich gewissermaßen «zurechtgeschüttelt».
Die Covent Garden-Produktion von Verdis «Don Carlo» ist dafür ein besonders ohrenfälliges Beispiel: Während die Presse bei der Premiere im Juni 2008 nicht nur den stimmlich prekären Zustand von Startenor Rolando Villazón und die Ermüdungserscheinungen seiner Elisabetta konstatierte, sondern auch Chefdirigent Antonio Pappano rüffelte, ist die DVD weit überzeugender. Natürlich bleibt der Carlos von Villazón mit seiner von emotionalem Überdruck förmlich berstenden Höhe Geschmackssache. Doch von der musikalischen wie von der darstellerischen Gestaltung her dürfte es kaum einen packenderen Carlo geben. Bei Villazón spürt man die Tragik dieser Figur, die sonst ja schnell an den Rand des Geschehens gedrängt wird: Hier geht ein Mensch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit rund 60 Jahren werden mit Computern Töne erzeugt, spielt die digitale Klangerzeugung und -bearbeitung nicht nur in Jazz und Pop, sondern auch in den elektronischen Studios der Neuen Musik eine wichtige Rolle. Ob in Baden-Baden (SWR) oder Berlin (TU), Köln (WDR) oder München (Siemens) – wer sich «auf die Suche nach noch nie gehörten Klängen» machte (um den...
Mumbai schwitzt. Selbst um Mitternacht sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass man sich nach besseren Klimaanlagen sehnt. Aber die tropische Hitze ist nicht das Hauptproblem dieser Stadt. Auch nicht der Verkehr, die miserable Luft, der Lärm. Nein, Mumbai, das einmal Bombay hieß, ist einfach zu voll. Mehr als 16 Millionen Menschen leben hier. 2015 werden es nach...
Die Händelitis treibt weiter Blüten, auch im Jahr eins nach dem großen Jubiläumsrausch. Aus dem Norden Deutschlands kommt eine Aufnahme des «Judas Maccabaeus», eines Werks, das diskografisch merkwürdig unterrepräsentiert ist. Ob’s am relativ handlungsarmen Libretto liegt? Oder an den Schwierigkeiten, eine stimmige Fassung zu erstellen, zumal Händel selbst von...
