... Lied und Oper
Herr Hampson, singt ein prononcierter Liedsänger wie Sie Opern anders?
Mag sein. Wahr ist, dass ich vom Liedgesang viel gelernt habe, zum Beispiel musikalische Ruhe und Ausgeglichenheit herzustellen, ebenso Innerlichkeit, auch das Ausspinnen eines Erzählfadens. Ich bin übrigens auch ein Verteidiger von Dietrich Fischer-Dieskau. Wir sollten nicht so obergescheit sein und auf ihn herabblicken.
Inwiefern?
Fischer-Dieskau war gewiss in den letzten Jahren seiner Karriere hauptsächlich als Liedersänger tätig.
Wenn man aber seine Blütezeit betrachtet, mit Falstaff, Mandryka, Macbeth und Doktor Faustus, müssen wir zugeben: ein Wunder! Auch von der angeblich so manierierten Elisabeth Schwarzkopf können wir noch viel lernen. Diese Sänger haben durchaus nicht zur «Sprecherei» geneigt, wie sie mich heute beim Liedgesang oft abschreckt. Sie kamen von der Oper her und waren von daher gegen den heute leider üblichen Sprechgesang gefeit.
Kann der Liedgesang in Ihren Augen von der Oper profitieren?
Unbedingt. Etliche der heutigen Liedersänger wären für die Opernbühne völlig ungeeignet. Die Stimme vibriert nicht. Sie trägt nicht. Ist zu eng. Bitte verlangen Sie jetzt keine Namen von mir. Die Oper nützt ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Apropos, Seite 71
von Kai Luehrs-Kaiser, Interview, Hampson
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