Die Schwäne sind zurück
Es soll Zeiten gegeben haben, in denen sich Regisseure lieber einen Finger abgetrennt hätten, als im «Lohengrin» auf der Bühne einen Schwan zu zeigen. Konnte dieser doch als Sinnbild für naturalistischen Bühnenballast und unzählige Anekdoten herhalten. In den beiden aktuellen Produktionen am Rhein herrscht kein Schwanenmangel: In Koblenz lässt Videokünstler Georg Lendorff einen projizierten Vogel elegant die Bühne umkreisen und sich schließlich niedersetzen, bevor Lohengrin auftritt. In punkto Masse indes hat Wiesbaden die Nase vorn.
Regisseurin Kirsten Harms und ihr Bühnen- und Kostümbildner Bernd Damovsky haben überall in der Wiesbadener Theaterarchitektur Schwanen-Zierrat aufgestöbert, der in Lichtbildern auf der Bühne zitiert wird. Später geht es dem edlen Federvieh hier allerdings an den Hals: Ortrud betätigt sich als Schwanenschlächterin, vollzieht mit ihrem Gatten Telramund ein Blutritual, das den Kontrast zur Kommunion bildet, die Elsa und Lohengrin am Ende des ersten Akts empfangen. Dies ist nur eines von vielen Bildern dieser Inszenierung, die plakativ ein-, aber nicht weitergeführt werden.
Was beide Produktionen mehr vereint als solche Federklaubereien: Sowohl Kirsten ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Claus Ambrosius
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