Liebestode

Lyon, Sciarrino: Luci mie traditrici, Zemlinsky: Eine florentinische Tragödie, Poulenc: La Voix humaine, Bartók: Herzog Blaubarts Burg, Bizet: Djamileh, Puccini: Il tabarro

Opernwelt - Logo

Ein Einakter ist selten abendfüllend. Zwei kürzere Einakter sind zwar abendfüllend, aber nicht publikumswirksam. Drei kleinere Einakter sind meist zu lang und auch nicht publikumswirksam. Beispiel: Puccinis «Il trittico». Warum das «normale» Opernpublikum Einakter nicht besonders schätzt, bleibt ein Rätsel. Man mag wohl nicht so schnell aus einer Geschichte entlassen werden und umschalten müssen.

Die Opéra de Lyon ließ sich zum Thema Einakter etwas dramaturgisch Plausibles und höchst Spannendes einfallen: Man nehme sechs Werktitel, die sich zu einem Generalthema vereinigen lassen, geben ihnen einen Übertitel, und schon hat man drei Abende mit je zwei Aufführungen im Spielplan.
«Amour soupçon» – so der übergreifende Titel für den Sechserpack – bezeichnet das gefährliche Spiel mit der Liebe, wenn diese sich mit Argwohn und Verdächtigungen verbündet. Puccinis «Il tabarro», Zemlinskys «Florentinische Tragödie» und Sciarrinos «Luci mie traditrici» beschreiben solche Dreieckstragödien. In Bartóks «Herzog Blaubart» erwächst die Katastrophe eher aus der Mischung weiblicher Neugier und männlicher Verklemmtheit – eine tiefenpsychologische Studie à la Freud, die sexuelle Positionen der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart aus Neapel und Wien

Der viel gerühmte Wiener Mozart-Stil der Nachkriegszeit wurde wesentlich von der Arbeit des Dirigenten Josef Krips geprägt, einem uneitlen, sensiblen Musiker, der beim Probieren zugleich ein Präzisionsfanatiker war. Dass er nur zwei Mozart-Opern, «Die Entführung aus dem Serail» und «Don Giovanni», auf Schallplatten einspielen konnte, ist zu bedauern. Desto mehr...

Ins Glück getragen

Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden. Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum...

Im Schatten der Legenden

Mercadante ist ein seltener, aber doch regelmäßiger Gast auf unseren Spielplänen. Als vor zwei Jahren das Stadttheater Gießen an «Il giuramento» erinnerte, war in einem repräsentativen Feuilleton von «Kleinod» die Rede. Beim Label «Opera Rara» gibt es da­rüber hinaus Editionen wie «Mercadante rediscovered» oder «Soireés Italiennes». Seit Neuestem ist eine...