Liebesblick der Ware
Wir sind, schrieb Bernd Guggenberger in seiner Studie über die «Schönheit als soziale Macht», umzingelt von Bildern, die sich «über raffiniert arrangierte Begegnungen der allerersten Art, der kreatürlichen Dimension, ihren Anteil an der knappen Ressource Aufmerksamkeit zu sichern» versuchen. Im Zeitalter virtueller Stars muss man sich wohl damit abfinden, dass inzwischen auch bei Sängerinnen die Schönheit die beste Empfehlung ist – wie bei Danielle de Niese. Vom Cover ihres «Mozart-Albums» schenkt sie den Kunden das, was Karl Marx als den Liebesblick der Ware bezeichnete.
Bezeichnend, dass neben den musikalischen Produzenten auch die der femininen Imago aufgeführt werden, die Stylisten für Make-up und Haar. Dann hört man die exotische Schönheit, die auf der Rückseite eines PR-Heftes im durchscheinenden Kleid am Fenster steht, mit der Motette «Exsultate, jubilate» – doch das Gesicht der Stimme, sehr nahe am Mikrofon aufgenommen und dadurch artifiziell vergrößert, ist keineswegs so makellos ebenmäßig wie das zartrosa geschminkte der Sängerin.
Die Stimme, ein lyrischer Sopran, klingt hell und wendig, in Koloraturen aber, wie schon die erste Sechzehntel-Kette von «Exsultate, jubilate» ...
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Acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes Götz Friedrich wagt sich Karan Armstrong an ihre erste eigene
Inszenierung. In den goldenen Zeiten an der Deutschen Oper Berlin konnte sich die amerikanische
Sopranistin so manches von den Regisseuren abschauen, die Götz Friedrich geholt hatte. Würde es ihr gelingen, dieses Wissen in der Rostocker «Traviata» weiterzugeben?
Wenn...
An Busonis 1925 uraufgeführte Faust-Oper, einen Meilenstein der musikdramatischen Moderne, haben sich kleinere Theater bis heute selten herangetraut. Insofern gebührt dem erfolgreichen Versuch, das ebenso grandiose wie sperrige Stück Musiktheater auf die Bühne des Flensburger Hauses zu bringen, hohe Anerkennung. Eine Vorreiterrolle, die – man hofft es für das Werk...
Er hätte ja gehen können, aber er blieb. Für lange. Haydn hielt den Ersterházys die Treue. Wohl auch, weil dort das Theaterleben munter brummte: Zwei Theatergebäude, ein großes Opernhaus, dazu ein kleineres Marionettentheater boten viele Möglichkeiten. Knapp 90 Opern hat Haydn dort binnen 14 Jahren einstudiert. Einziges Manko: Ihm standen kaum taugliche Solisten...
