Lieber keine Apotheose
Und ewig rumort die Antike. Mögen die erhabenen Mythen um Götter und Menschen an Signifikanz verloren haben, so treiben doch die uralten Stoffe weiter, zumal in Literatur, Theater, Oper und Film. Ob überhaupt, wann, wo und wie der Trojanische Krieg stattgefunden hat, ist strittig, nicht aber die Relevanz der Sujets: Die Atriden-Schrecknisse, das «Ilias»-Gemetzel, die Horror-Irrfahrten und glückliche Heimkehr des Odysseus sind zwar erhabenes «abendländisches» Kulturgut. Doch der Name Homer allein löst keine ehrfürchtigen Schauer mehr aus.
Und Winckelmanns idealisierende Antiken-Beschwörung «edle Einfalt, stille Größe» wird durch die «Sex and crime»-Realitäten der Vorlagen drastisch konterkariert.
Die Welt der alten Griechen wäre ferngeblieben, hätte nicht gerade die Odysseus-Rezeption einen epochalen Schub durch James Joyce und seinen «Ulysses»-Roman erhalten, in dem Dublin zum mythischen Kosmos ganz anderer Art mutierte und Molly Bloom zur Wiedergeburt der endlos des Odysseus Heimkehr harrenden Penelope; allerdings nicht als edle Dulderin, sondern als erotische Tagträumerin. Wer sich kompositorisch Odysseus zuwandte, imaginierte ihn meist über Joyce: Dallapiccola, Berio, Zender; ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch
Chi scherza con Amor, scherza col fuoco: Wer mit der Liebe spielt, spielt mit dem Feuer. So ist, so war es immer. Auch der Titelheld in Giovanni Antonio Borettis «Eliogabalo» weiß um die Tücken dieses (allzu) leichtfertigen Umgangs mit der wichtigsten Nebensache der Welt. Und doch hat ihm der Schöpfer eine Musik in die Kehle gelegt, die vor Vergnügungssucht nur...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
Der Anlass verlangte nach dem Einsatz aller Mittel: die Hochzeit von Ludwig XIV. mit Maria Teresa von Spanien. Also wurde bei Francesco Cavalli eine spektakuläre Oper in Auftrag gegeben, mit allen Effekten, die die Bühnentechnik 1662 hergab. Uraufgeführt wurde «Ercole Amante» in einem für die Vorstellung extra errichteten Saal der Pariser Tuileries, wo die Musik...
