Licht und Schatten
Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit Erwartungshaltungen, verrät aber nie die Musik. Im Gegenteil: Wer sie gesehen hat, wird danach vieles anders hören. Es hat deshalb über allen Marketing-Effekt hinaus auch eine künstlerische Berechtigung, wenn sie nun auf DVD herauskommt.
Mitgeschnitten wurde 2007 und zwar sowohl bei Proben wie bei der Premiere (wodurch winzige Synchronisierungspatzer zu erklären sein dürften). Im Einsatz waren viele, im ganzen Haus verteilte Kameras. So kommt es zu manch ungewohnter Perspektive. Die Bildregie von Andreas Morell schwankt und schwenkt mutig zwischen Totale, Halbtotale und Nahaufnahme. Dass sie trotz aller Beweglichkeit kaum einfangen kann, was da in Bayreuth alles zu erleben war, spricht für die Qualität der Aufführung, genauer: für deren raumgreifende Simultaneität. Manches, wie die Wand der Meister im ersten Teil des dritten Aktes oder ...
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Auf dem Weg viele Stufen hinauf zur St. Peter-und-Pauls-Kathedrale, diesem wunderbaren Joint Venture von Romanik, Gotik und Barock, das die Altstadt von Brünn überragt, hören wir aus einem Haus eine keifend scharfe Frauenstimme. Da wir in Sachen Leos Janácek hier sind, wird uns sofort klar, woran sie uns erinnert: an Kostelnicka, die Küsterin aus «Jenufa» – eine...
Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das...
Mucksmäuschenstille. Noch ist nichts zu hören. Orchesterschweigen. Umso mehr ist zu sehen. Rechts, im Spelunkenlicht, steht Donner, eng umschlungen, kussintensiv. Wer die Dame wohl sein mag? Erst später wird sich herausstellen: Die Dame ist ein Herr und heißt Froh. Unterdessen wartet am linken Bühnenrand jemand mit Plastiktüte. Ein Beobachter. Ein stummer Geist....
