Leichte Muse versus Spektakeloper
Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Werke. Denn stilistisch siedeln sie an den Extremen dessen, was Musiktheater in der damaligen Weltkulturhauptstadt Paris sein konnte.
Gemeinsam mit dem Librettisten Eugène Scribe schuf Auber 1828 den Prototyp der «Grand Opéra», jener genuin französischen Spielform der fünfaktigen, historisch genau verorteten Spektakeloper, an der sich Europas Komponisten jahrzehntelang abarbeiten sollten, bis hin zu Verdi und Wagner. Bizet hingegen versucht sich 1856 am Genre der leichten Muse à la francaise, der Operette Offenbach’scher Prägung.
Der aus Köln zugezogene Komponist selber hatte einen Einakter-Wettbewerb veranstaltet, aus dem Bizet ex aequo mit Charles Lecocq als Sieger hervorging. Während die italienische opera buffa allein auf Heiterkeit setze, so Offenbach in seiner Ausschreibung, wolle ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Frederik Hanssen
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie...
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
