Barmherziger Rüpel
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird meist mit der pauschalen Bezeichnung «legendärer Impresario» abgespeist, der den genannten Komponisten das Arbeitsleben schwer machte. Ja, wir meinen Domenico Barbaja.
Es musste also erst ein amerikanischer, in Hongkong lebender Banker und Headhunter kommen, Belcanto-verrückt und furchtlos, außerdem bereit, der Recherche über diesen längst wieder im tiefen Brunnen der Vergangenheit verschwundenen, einst übermächtigen Paten der Oper fünf Lebensjahre zu widmen, um ein wenig Licht in dessen Lebensabrissdunkel zu bringen und die erste Barbaja-Biografie (in englischer Sprache) vorzulegen.
Die ist Philip Eisenbeiss als sympathisch sachliches Zeit- und Gattungsbild durchaus gelungen (und zum Klingen gebracht wird sie zusätzlich durch eine Naxos-CD mit Exzerpten aus Barbajas Opernaufträgen). Es scheint genau richtig, einen eher ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Manuel Brug
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Oedipe
Am Mythos von Ödipus arbeitete sich George Enescu sein halbes Komponistenleben ab. Zwischen der ersten Berührung mit dem Stoff und der Pariser Uraufführung des vieraktigen «Oedipe» vergingen 22 Jahre. Hans Neuenfels hat das Stück an der Oper Frankfurt neu inszeniert – mit Simon Neal in der Titelpartie und Tanja Ariane Baumgartner als Jokaste.
Renata Scotto
K...
Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem...
