Genf: Wohldosiertes Heldentum
Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem Geschmack, der Musikalität, vor allem dem Selbstbewusstsein des Theatermachers, der sich und der nach Neuem gierenden Opernszene nichts mehr beweisen muss.
In Genf ist das gerade passiert.
Denn so lyrisch, so intim, so berührend in seiner Natürlichkeit, so offen und einladend zum eigenen Nach- und Mitdenken hat man den ersten Aufzug und weite Teile der folgenden «Walküre»-Akte selten erlebt. Regisseur Dieter Dorn ist das zu verdanken, der hier sein auf mehrere Monate gestaffeltes «Ring»-Projekt fortsetzt, aber auch Dirigent Ingo Metzmacher. Der macht aus akustischer Not eine Tugend: Das Grand Théâtre klingt wie unterleibslos, die satte Grundierung fehlt. Ein Haus geschaffen für Kammermusikalisches, nicht für Eruptives.
Folglich interessiert sich Metzmacher für die Feinmechanik der Partitur. «Modern», dieses Etikett wurde seiner ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Markus Thiel
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie...
Oedipe
Am Mythos von Ödipus arbeitete sich George Enescu sein halbes Komponistenleben ab. Zwischen der ersten Berührung mit dem Stoff und der Pariser Uraufführung des vieraktigen «Oedipe» vergingen 22 Jahre. Hans Neuenfels hat das Stück an der Oper Frankfurt neu inszeniert – mit Simon Neal in der Titelpartie und Tanja Ariane Baumgartner als Jokaste.
Renata Scotto
K...
