«Leicht muss man sein»

Christian Thielemann über historische Aufführungspraxis, die Aura des Dirigenten, Type-Casting und seine Schwäche für die Operette

Opernwelt - Logo

Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern. Allerdings fällt mir auf, dass sich viele jüngere Dirigenten seltener daran wagen, vielleicht weil dann offenbar wird, wie gut oder schlecht diese Stücke dirigiert werden.



Sie haben sich bei den Münchner Phil­harmonikern einen Vertrag ausbedungen, der das Orchester vor Sparmaßnahmen schützt. Was empfehlen Sie Orchesterleitern in kleineren Städten, meinetwegen in Albstadt, St. Ingbert oder Waiblingen, die um die Existenz ihrer Orchester kämpfen?

Man muss den Politikern klar machen – und viele wissen es ja mittlerweile –, welch große Wirkung Kunst für einen Ort hat. Ich kann meinen Kollegen nur raten: Hände weg von diesen so genannten überintellektuellen Programmen. Natürlich steckt, wenn eine Saison einem übergeordneten Thema verpflichtet ist, meist ein kluger Gedanke dahinter. Aber bitte: Bedient auch das normale Repertoire! ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Interview, Seite 28
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vergessener Ritter

Betrachtet man das spanische Musik­leben zwischen dem ausgehenden 18. und dem frühen 19. Jahrhundert, so wurde international unter den einheimischen Akteuren vor allem ein Name wahrgenommen: Manuel García. Die Zeitgenossen schätzten García als Sänger und Komponisten, auf seine herausragende Stellung deutet nicht zuletzt die Tatsache, dass drei seiner Kinder...

«Ich bin ein dramatisch denkender Musiker»

«Orest» in Berlin, das Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Baden-Baden, «Don Giovanni» in Feldkirch, «Il re pas­tore» bei den Salzburger Festspielen und, und, und: Ist 2006 auch ein «Hengelbrock-Jahr»?
(lacht) Jedes meiner Lebensjahre war bisher ein Hengelbrock-Jahr. Vielleicht ist es einfach durch die Prominenz der Spielstätten ein bisschen mehr ins Bewusstsein...

Verdi: Don Carlo

Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der gro­ßen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen...