Leben auf der Baustelle

Moskauer Szene: Neue Arbeiten an der Novaja Opera, am Stanislawski Theater, im Kunstquartier Winzavo und an der Helikon Opera

Opernwelt - Logo

Die erste Episode der großen Gala zur Wiedereröffnung des sanierten Bolschoi Theaters ließ Regisseur Dmitri Tcherniakov im Hier und Heute spielen. Kein Ton aus dem Orchester, kein Mucks aus den Kehlen der Sängerprominenz, stattdessen der Lärm von Baumaschinen und das Getrappel von rund hundert «Bauarbeitern». Erst als die plötzlich den Slawsja-Chor aus Glinkas «Ein Leben für den Zaren» anstimmten, begann der musikalische Teil der inszenierten Tour durch die Geschichte des Hauses.

Während Natalie Dessay und Angela Gheorghiu die Rolle der Primadonnen übernehmen durften, kamen die Solisten aus dem Bolschoi nur in Ensembles zum Zuge.

Das ist verwunderlich, zumal das sängerische Niveau nicht nur auf Moskaus Vorzeigebühne für bemerkenswerte Erlebnisse sorgt. So etwa an der Novaja Opera, die eine vokal mehr als acht­bare «Cenerentola» präsentierte. Drei Partien waren mit Spitzenkräften besetzt, die in Sachen Virtuosität keinen Wunsch offen ließen: der wunderbar zarte tenore di grazia Alexej Tatarinzew als Ramiro, der als Koloraturen sprühender Scherzbold brillierende Ilja Kusmin in der Rolle des Dandini und Viktoria Jarowaja, die unter Aufsicht Alberto Zeddas an der Perfektionierung ihrer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Ohne Tiefpunkte keine Höhepunkte

Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne...

Im Großformat

So viel Neuland ist an der Bayerischen Staatsoper selten. Erstmals brachte man im Juni 2010 die italienische Griechen-Oper eines Ingolstädters auf die Bühne. Szenisch realisiert wurde Giovanni Simone Mayrs «Medea in Corinto» von einem arg verspäteten
Münchner Regie-Debütanten. Mit der gebrandmarkten Außenseiterin schloss Hans Neuenfels schnell Freundschaft. So wie...

Auf dem Sprung

Aufreizend rot locken Seidenkleidchen und Lippen, die schwarzen Haare sind hochgesteckt. Doch wer hier im Carmen-Outfit einherstöckelt, ist die Nebenbuhlerin: Micaëla unternimmt einen der letzten Versuche, ihren Sergeanten herumzubekommen. Als Klischee-Zitat aus dem guten alten Spanien. Doch nicht das Imitat lässt bei Don José die Säfte steigen, sondern eine...