Auf dem Sprung

Augsburg | Bizet: Carmen

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Aufreizend rot locken Seidenkleidchen und Lippen, die schwarzen Haare sind hochgesteckt. Doch wer hier im Carmen-Outfit einherstöckelt, ist die Nebenbuhlerin: Micaëla unternimmt einen der letzten Versuche, ihren Sergeanten herumzubekommen. Als Klischee-Zitat aus dem guten alten Spanien. Doch nicht das Imitat lässt bei Don José die Säfte steigen, sondern eine billige Diseuse. Rissig sind ihre Strümpfe, die Habanera wird lässig verschliffen, überhaupt ist ihr drastischer, glanzloser Gesang denkbar weit entfernt vom landläufigen Mezzo-Gegurre.

Kerstin Descher führt lustvoll eine Anti-Carmen vor. Eine Heruntergekommene, die mit den Insignien dieser noblen Festgesellschaft ihr blasphemisches Spiel treibt: Zum Entsetzen aller küsst sie ein Porträt Francos.

Womöglich ist dies ja eine der letzten Feiern alter Zeitrechnung. Regisseur Lorenzo Fioroni hat Bizets Hit am Theater Augsburg in die Endzeit der spanischen Diktatur verpflanzt. Von draußen tönen Trommeln und Rufe herein, ein Sturm reißt die Fensterläden fast aus den Scharnieren. Und drinnen, im Einheitsraum von Bühnenbildner Paul Zoller, sitzen fein Herausgeputzte an schön gedeckten Tafeln, die mit Argwohn betrachten, welch derbe ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

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