Lauter Aufbrüche

Die finnische Nationaloper glänzt mit neuem Musiktheater und Karita Mattilas Tosca-Debüt

Opernwelt - Logo

Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alters­sicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich da­für schon vorher bitter rä­chende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an Sopranistinnen in seinem Herzen, die er zwar kaum noch, als Tosca aber doch noch live hö­ren durfte. Anders gesagt: Es tut gut, ein «Tosca»-­Debüt bei guten, ja besten Jahren einer Sängerin zu erleben.


Karita Mattila, nach Fortschritten zu Salome und Jenufa, liefert als Tosca ein Porträt von ebenmäßig gerundeter, gesund individualisierter und meist berü­ckender Strahlkraft. Die tränenden Hö­hen ihres «Vissi d’arte» gehören keinem Bravourstück, sondern dem Bekenntnis einer melancholisch angeschlagenen Kämpfernatur. Bei «Mario, Mario» dunkelt und dickt sie die Vokale leicht ein. Manches Legato schliert, bei Impulslauten wie in «Aspetta» merkt man Krafteinsatz und Überfülle des Atems. Aber: Welche Prachtentfaltung pastell­artig gedeckter Farben, dunkler Untergründe und weiblicher Konflikte. Als Scarpia sich ihr nähert, kostet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Über Mechanismen des Kapitalismus wissen Zuschauer und Mitspielende der Berliner Neuinszenierung von Anfang an Bescheid – womit soll ein Lehrstück namens «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny», das seine Pointe bereits im Titel trägt, auch überraschen? Die Protagonis­ten erschaffen Mahagonny und zerstö­ren sich selbst in schöner Folge – mit Hilfe von Brechts...

Mensch, Masse und Marionetten

Ernährungsphysiologisch ist Brat­wurst mit Pommes ja ohnehin eine Katastrophe (obwohl Katas­trophen bekanntlich ganze Volksstämme zusammenschwei­ßen). Aber nach dem letzten «Spiegel»-Interview dürfte sich Jürgen Flimm einmal mehr überlegen, ob er zum Grundnahrungsmittel des Ruhrpotts greift oder nicht unverfänglich zum weltmännischen Lachshäppchen bei der...

Ästhetik der Existenz

Nicht eben einfach, dieser Weg zur Kunst. Wer weder Glück noch vertieftes Orientierungsgefühl besitzt, der wird es vermutlich schwer haben, das neue Glanzstück zu finden, das wie eine Fata Morgana unweit des Dresdner Flughafens inmitten einer somnambulen Gartenstadt auftaucht. Für einen Moment hat man das Gefühl, diese Abgeschiedenheit sei vielleicht gewollt,...