Laokoon in Zeitlupe
Ein Hauch Magie. Natürlich ist diese Geste genau einstudiert, wahrscheinlich dutzende Male geprobt, dennoch erscheint sie wie aus dem Moment heraus geboren. Da steht Sieglinde, innerlich orientierungs- und äußerlich kraftlos, auf wackligen Knien, als Hunding barsch ihre linke Hand ergreift und sie mahnend (oder strafend?) zu sich ziehen möchte, während kurz darauf Siegmund von der anderen Seite die sich ihm entgegenstreckende Rechte zaudernd in seine Hände legt.
Es ist die erste zärtliche Berührung der beiden einander in Liebe verfallenen Geschwister und für Sieglinde zugleich ein geheimnisvoller Augenblick zwischen Autoritätsraison und Gefühlsverwirrung.
So subtil wie diesen Augenblick inszeniert Dietrich Hilsdorf am Essener Aalto-Theater den gesamten ersten Akt von Richard Wagners «Walküre». Die Rechnung, vier verschiedenen Regisseuren die einzelnen «Ring»-Teile zu überantworten, scheint, so das Fazit nach der Hälfte des Projekts, aufzugehen. Mit Tilman Knabes «Rheingold» hat diese Produktion nichts gemein, sieht man einmal davon ab, dass in beiden Stücken am Ende jeweils Götterdämmerungsassoziationen beschworen werden: im «Rheingold» durch Sprengstoff und einen tickenden ...
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