Jedes Wort muss sitzen
Herr Steffens, warum wollen Musiker Dirigent werden?
Das Angebot an großen Dirigenten ist dünner geworden. Das werden sicher alle Kollegen so bestätigen. Natürlich gibt es auch jetzt noch wunderbare Künstler. Doch wenn ich bedenke, wen ich erlebt habe, als ich 1989 beim Symphonieorchester des BR anfing: Rafael Kubelik, Carlo Maria Giulini, Leonard Bernstein, Carlos Kleiber und so weiter – da hatte ich ein Kribbeln am ganzen Körper, wenn diese Männer aufs Podium kamen, da kam mir niemals die Idee, ich müsse Dirigent werden.
Wenn das Angebot von vorne aber nicht mehr so zwingend ist, wenn die Maestri ausbleiben, die diesen Biss, diesen unbedingten Willen zum Ausdruck haben, dann versuchen eben einige Musiker, es selbst besser zu machen.
Sie sind zum Jahresende 2007 bei den Berliner Philharmonikern ausgestiegen. Wie kam dieser Entschluss zustande?
Ich wollte eigentlich schon als Kind Dirigent werden, habe mir als Zwölfjähriger vom Taschengeld meine ersten Partituren gekauft. Dann aber hatte ich als Klarinettist sehr früh Erfolg, war in Kassel und Frankfurt an der Oper, habe geheiratet, ging zum BR, hatte zwei Kinder, kam zu den Philharmonikern. Da war ich arriviert als Instrumentalist, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Warum Instrumentalisten Dirigenten werden
Zu Händels Lebzeiten eine seiner meistgespielten Opern, hat der 1727 uraufgeführte «Admeto» bisher nur eingeschränkt vom großen Händel-Revival profitieren können. Zwar erschien schon in den siebziger Jahren eine Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten, doch eine Breitenwirkung ging von dieser Einspielung ebenso wenig aus wie von gelegentlichen...
Gut zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Dirigent Stephen Crout die Washington Concert Opera (WCO) ins Leben rief. Seit 1987 hat die Company in dem 1550 Plätze bietenden Lisner Auditorium der George Washington University 38 Opern präsentiert. Crout konnte etwas Geld von Stiftungen einwerben, doch den größten Teil des Budgets stellen die Abonnenten und private...
Er hat einen berühmten Vater. Und der wird selbst dann noch bewusst erwähnt, wenn sich der 1944 geborene Berliner Johannes Felsenstein (mit einer für ihn typischen, fulminanten «Elektra») in die Rente verabschiedet. Der Sohn Walter Felsensteins hat sich nicht nur im gleichen Metier als Intendant und als Regisseur getummelt, sondern mit seiner Arbeit stets zu Vision...
