Lächelnde Disziplin
Es gehört nicht viel zur Behauptung, Cecilia Bartoli sei – mit ihren Stärken und Schwächen, die sie selbst genau kennt – eine Ausnahmesängerin, ja, Ausnahmekünstlerin. Wenn man es boshaft sagen will: Sie ist genauso gut wie der von ihr angekurbelte Apparat der Public Relations, dessen Motor makellos und ohne das geringste Stottern auch auf hoher Tourenzahl funktioniert. Das beginnt beim perfekten Timing und endet lange nicht bei der ebenfalls perfekten Omnipräsenz.
Möglich ist das alles nur durch eiserne, immer lächelnde Disziplin und eine langfristige Strategie der künstlerischen Arbeit. Selbst ein Kritiker, der bei so viel penetranter Publicity misstrauisch wird und seinen Widerspruchsgeist geweckt sieht, kann nicht umhin, Cecilia Bartolis Extraklasse (und Extrakasse) zuzugeben. Bellinis «Norma» ist ein Paradebeispiel dafür.
Vor drei Jahren hat La Bartoli ihre Norma in Dortmund erstmals der Öffentlichkeit präsentiert (OW 8/2010). Es war die Frucht einer langen, gleicherweise sängerischen wie musikhistorischen Vorbereitungsarbeit, über deren Details Stephan Mösch damals ausführlich und einleuchtend referiert hat. Es ist das Verdienst von Cecilia Bartoli und von Riccardo Minasi ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Dietmar Polaczek
Dame Janet, Sie besaßen eine fantastische Schallplattenstimme. Ist die Vermutung erlaubt, dass Ihre Stimme auch deswegen so gut aufzuzeichnen war, weil sie nicht die größte war?
Ja, das ist absolut richtig. Was eine gute Aufnahmestimme ausmacht, ist vor allem ein guter Fokus. Die Stimme braucht Klarheit. Und Technik. Ich glaube schon, dass sich jede Sängerin eine...
Ein ausgebombtes Bühnenhaus. Das des Schiller Theaters vor 70 Jahren? In seinen Ruinen wollte Intendant Heinrich George «Ödipus» inszenieren, um sein Ensemble (u. a. Walter Felsenstein, Horst Caspar, Will Quadflieg) vor der Front zu bewahren. 1950 wurde es wieder aufgebaut. So lange das Stammhaus Unter den Linden saniert wird, ist nun die Berliner Staatsoper zu...
Diese Schrecksekunde hat schon jeder Opernfreund erlebt: Wenn einer am Anfang vor den Vorhang tritt, wird meist eine Umbesetzung oder die Indisposition eines Sängers annonciert. In der zweiten Vorstellung von «Tristan und Isolde» waren aber weder Tenor noch Sopran unpässlich, vielmehr ein Bratscher und ein Cellist kurzfristig krank geworden. Da wurde man einmal...
