Krisenfest im Abseits
Sie haben es gerade noch geschafft. Bevor die Zocker in den Banken und an den Börsen, von einer blind auf die Selbstregulierung der Märkte vertrauenden Politik begünstigt, die grüne Insel an den Rand der Staatspleite brachten. Vor gut einem Jahr hatte Irland unter dem sogenannten «EU-Rettungsschirm» Zuflucht suchen müssen – als erstes Mitglied der Europäischen Union. Aber da stand das neue Opernhaus im kleinen Wexford schon, seit 2008 läuft der Spielbetrieb – mit dem jedes Jahr veranstalteten Raritäten-Festival als Höhepunkt.
Wäh-rend man in dem Fischerstädtchen am Südostzipfel der Insel die 60. Spielzeit feiert, stehen Dublins Opernstrategen mit leeren Händen da. Die noch vor drei Jahren propagierten Pläne des Arts Council, in der Hauptstadt eine National Opera Company zu gründen, sind auf Eis gelegt. Das von Daniel Libeskind entworfene Grand Canal Theatre, ursprünglich als Sitz dieser Irischen Nationaloper avisiert, wird von Reisetruppen bespielt. Da waren die Festivalmacher in Wexford cleverer. Und sind darauf mächtig stolz.
«Wir haben eben rechtzeitig unsere Hausaufgaben gemacht», schmunzelt Chairman Peter Scallan. Die Finanzierung des mitten in einem Häuserensemble entstandenen ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Der Dortmunder Oper war in letzter Zeit nicht viel Fortüne beschieden. Gefangen in einer fatalen Abwärtsspirale war das Haus zuletzt nur noch mäßig besucht. Die langjährige Opernchefin Christine Mielitz war 2002 in der Hoffnung engagiert worden, das von ihr verantwortete Meininger Theaterwunder in Dortmund zu wiederholen, hatte aber nach viel versprechendem Beginn...
Mit Gender-Crossing und Wikingermythos eine schwedische Nationaloper im Stil Wagners schaffen. Kein geringeres Ziel hatte sich der Schwede Wilhelm Stenhammar gesetzt, als er 1898 mit «Tirfing» sein zweites Werk für die Bühne komponierte. Doch der 27-Jährige hatte sich verschätzt: Die Oper fiel durch. Gerade 17-mal wurde «Tirfing» bis 1901 gegeben, um danach in der...
Die erste Episode der großen Gala zur Wiedereröffnung des sanierten Bolschoi Theaters ließ Regisseur Dmitri Tcherniakov im Hier und Heute spielen. Kein Ton aus dem Orchester, kein Mucks aus den Kehlen der Sängerprominenz, stattdessen der Lärm von Baumaschinen und das Getrappel von rund hundert «Bauarbeitern». Erst als die plötzlich den Slawsja-Chor aus Glinkas «Ein...
