Krampfloses Miteinander
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative Regisseurin, die zwar die Opern auf der Bühne «gerne wiedererkennt», gleichzeitig aber zu den Bewunderern schärferer Exegeten wie Harry Kupfer oder Calixto Bieito gehört.
Wenn die Künstlerin nun an der Oper Frankfurt «Ariadne auf Naxos» von Strauss inszenierte, war genaues Hinsehen und Hinhören auf Text und Musik zu erwarten – schließlich war Strauss immer eine wichtige Domäne für sie –, aber auch eine mit den Wassern des einschlägigen Regietheaters gewaschene gründlichere und pfiffigere Lesart. Die Erwartung wurde nicht enttäuscht, sondern übertroffen.
Attraktiv schon das propere Bühnenbild von Johannes Leiacker: ganz unverspielt, eher streng in den Proportionen. Die Intention, Vorspiel und Stück enger aneinander zu binden, verhieß vielleicht nichts Himmelstürmendes, brachte aber Beträchtliches. Es war vor allem der Komponist ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
Das Theater neu erfinden, mindestens! Irgendwie will Clara Hinterberger alles. Und zwar hier. Und jetzt. Irgendwie will sie aber auch gar nichts. Bei ihr gibt es alles gleichzeitig, gleichwertig, neben- und durcheinander. Anspruch und Attitüde. Chuzpe und Fatalismus. Hintersinn und Hilflosigkeit. Kunst? Leben? Liebe? Hass? Tod? Alles Material. Bausteine....
Stefan Soltesz’ Schatten in Essen ist lang. Sechzehn Jahre führte er das Haus mit straffer Hand in die Oberliga der Opernhäuser, nun rücken seine Erben nach – und Soltesz hat alle geplanten Gastspiele an seinem ehemaligen Haus abgesagt. Dieser Spannungen ungeachtet wagt das neue Leitungsteam mit Hein Mulders als Intendant und dem tschechischen Dirigenten Tomás...
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien...
